

Die Roten Funken bestehen seit 1823 und sind damit einer der großen und der traditionsreichen Karnevalsvereine in Köln. Seit 1950 befindet sich ihr Vereinsgebäude im alten Stadttor der ehemaligen Kölner Stadtmauer in der Ulrepforte 42, direkt am "Tor" zur Südstadt.
Die Geschichte der "Soldaten der Freien Reichsstadt Cölln", wegen ihrer Uniform auch Rote Funken genannt, ist in der Kölner Stadtgeschichte verwurzelt. Die alten Kölner Stadtsoldaten waren früher nicht nur Soldaten, sondern gelegentlich als Kinderbetreuer tätig, wenn die Mütter auf Einkaufstour oder arbeiten waren. Sie mussten ihren Unterhalt auch als Küchenhilfen oder Schneider verdienen. Was sie alle gemeinsam hatten, war ihre Liebe zum feucht-fröhlichen Beisammensein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Kölner Stadtsoldaten wieder zusammen gefunden. Die Roten Funken sind eine altersmäßig sehr breit gefächerte Karnevalsgesellschaft. Viele Jüngere Menschen begeistern sich für den Verein, heute liegt der Altersschnitt bei unter vierzig Jahren. Die Mitglieder kommen aus ganz Köln und aus dem erweiterten Kölner Umland – einige sogar aus Belgien, den Niederlanden oder der Eifel. Ihr Vereinssitz liegt in der Südstadt, weil sie vor fünfzig Jahren die Möglichkeit hatten, das alte Stadttor Ulrepforte zu kaufen – seit dieser Zeit haben sie dieses liebevoll restauriert und halten es instand.
Im Gegensatz zu einigen vorherrschenden Meinungen spielt es keine Rolle, was ein Mitglied ist – die Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Milieus; jeder, der Interesse hat und sich für Brauchtum, Karneval und das Zusammensein im Verein begeistert, kann Mitglied bei den Roten Funken werden.

Um die Freundschaft zwischen den Mitgliedern besser pflegen zu können, sind die Roten Funken in vier Abteilungen eingeteilt, die "Knubbel", die sich über das gesamte Jahr verteilt zu Vereinsabenden und gemeinsamen Unternehmungen treffen. Schon im Jahr 1909 gab es bei den Funken die vier Knubbel. Jeder einzelne Knubbel hat seine Eigenarten und einen eigenen "Schlachtruf". Die Mitglieder können sich selbst aussuchen, welchem "Knubbel" sie sich anschließen. Die Aufteilung gilt allerdings nur für die Zeit außerhalb des Karnevals.
Der Verein versteht sich als eine Kooperationen von Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Umfeldern und sozialen Schichten, die gemeinsam feiern und auch Brauchtumspflege betreiben: "Der Senat der ,Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e.V..' verfolgt in besonderer Weise die Ziele des Vereins wie zum Beispiel die Pflege des Kölner Kulturgutes, die Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte, insbesondere der Geschichte der Kölner Stadtsoldaten, und fördert diese in ideeller und materieller Weise. Ein besonderer Aufgabenschwerpunkt ist die angemessen Ausgestaltung der Ulrepforte, des über sieben hundert Jahre alten Haus der Roten Funken, sagt der Vorstandsmitglied und Pressesprecher Dieter Szary. Bei den Sitzungen geht es vor allem um Themen mit speziellem Bezug zu Köln, Karneval und den "Roten Funken".
In der Ulrepforte werden außer den Vorstandsversammlungen auch Aktionen für behinderte Menschen sowie Alte und Kranke organisiert. Sie können sich dort zu einem Kaffee treffen. Soziales Engagement spielt laut Szary bei den Roten Funken traditionell eine große Rolle. Die Roten Funken werden nicht gesponsert, sondern finanzieren sich durch Spenden und die Mitgliederbeiträge in Höhe von 150 Euro pro Jahr.
Die Vorbereitung auf die Session ist sehr aufwändig, denn es gibt jedes Jahr viel zu organisieren, zum Beispiel die Sitzungen und neun weitere Veranstaltungen pro Jahr, die meistens im Maritim stattfinden. Besonders das Festkomitee hat viel zu tun, denn es kümmert sich unter anderem um die Müllabfuhr und die Straßensperre mit der Kölner Polizei. Außer den täglichen Anforderungen muss sich ein Mitglied aus dem Vorstand auch um allabendliche Dinge wie Choreographie, Tanztraining, Fototermine oder Uniformanprobe kümmern.
Auch dieses Jahr wird ein äußerst ereignisreiches werden. Die Roten Funken starten dieses Jahr eine Reise zur EXPO 2005, die in der ehemaligen Olympiastadt Nagano in Japan stattfindet. Dort werden sie auftreten und die Bundesrepublik Deutschland vertreten.
Das ist ein besonderes und großes Projekt für die Roten Funken. Auf der Asienreise nach Hong Kong, Tokyo, Bangkok, werden sie vom Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma begleitet.
Marina Guehi