

Sobald sich Menschen zusammenfanden, um gemeinsam in Städten zu leben, feierten sie auch Karneval. Eine 5.000 Jahre alte Inschrift aus dem Alten Babylon soll belegen, dass schon damals ein Karnevalsfest gefeiert wurde. Damals wie heute ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten: Alle gesellschaftlichen Unterschiede wurden aufgehoben. Herren und Sklaven waren sieben Tage lang gleichgestellt. Bis heute kann sich der einfache Bürger zur Karnevalszeit als König, Filmstar oder römischer Kaiser verkleiden - und "einmol Prinz ze sinn" ist ein Traum, den sich in Köln wie auch in vielen anderen Städten in jedem Jahr ein Karnevalsjeck erfüllen kann.
Einig sind sich die Historiker nicht, wo genau der Karneval seinen Ursprung hat. Es gibt nur wenige Fakten und historische Quellen, aber umso mehr Theorien und Spekulationen. Mancher Historiker führt den Karnevals-Brauch auf nordische Völker zur Zeit der zweiten Eiszeit zurück, andere sehen römische Bräuche als Vorläufer des Fastnacht - und wieder andere halten sich an die Theorie zum Alten Babylon. Zahlreiche Kulturen im europäischen und vorderasiatischen Raum kennen Feste, die mit dem heutigen Karneval vergleichbar sind.

Das Wort "Karneval" stammt nach Meinung der meisten Experten aus dem Lateinischen und bedeutet "Fleisch, lebe wohl". In der Fastenzeit sollen sich die Menschen vierzig Tage lang von allen weltlichen Genüssen verabschieden - doch vorher wird noch einmal so richtig gefeiert. Am Aschermittwoch ist alles vorbei - nicht nur der Karneval, sondern auch das Schlemmen, der Alkoholgenuss und andere Freuden sind für die nächsten Wochen gestrichen. Doch auch hier sind sich die Wissenschaftler nicht einig: Anderen Theorien zufolge stammt der Begriff "Karneval" vom „carrus navalis“ ab, einem geschmückten Schiffswagen, mit dem die Römer bei ihrem Frühlingsfest durch die Straßen zogen. Das römische Frühlingsfest wurde bis ins 18. Jahrhundert gefeiert. Zum letzten Mal soll es 1790 in Merkenich bei Köln begangen worden sein.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Kölner Karnevals organisiert gefeiert. 1823 wurde das "Festordnende Kommitee" gegründet. Am 10. Februar des selben Jahren feierten die Kölner ihren ersten Rosenmontagszug mit dem ersten Dreigestirn. Mit dabei waren auch die "Roten Funken" aus der Kölner Südstadt, die sich kurz zuvor gegründet hatten. In den kommenden Jahren wurden zahlreiche Karnevalsgesellschaften und -vereine gegründet - heute gibt es in Köln rund 160. Und noch heute ist es unter anderem der Wunsch "Einmol Prinz ze sinn", der die Jecken antreibt. Ob der Sklave in der Antike oder der Kölner Speditionskaufmann der Gegenwart. Sie träumen den selben Traum.
Judith Conrady