Kelimhaus - gewebte Bilder mit Seele

Seit vier Jahren besitzt Keziban Tursun das Kelimhaus in der Südstadt. Sie verkauft und restauriert dort alte und antike Kelims und stellt diese in ihren eigenen Räumen in der Kürfürstenstraße aus. Ein Kelim ist ein gewebter Wandbehang oder Teppich und hat seine Herkunft im Kaukasusgebiet, Iran, Kleinasien oder rund um das Gebiet des Balkan. Für Keziban Tursun bedeutet der Kelim aber noch mehr, „für mich hat jeder Kelim eine Seele, ich empfinde das anders, weil ich selber aus dieser Kultur komme und deshalb ist das was ganz besonderes für mich“. In ihrem liebevoll eingerichteten Laden gibt es mehrere hundert Kelims, die teilweise auch zu Polsterbezügen, Kissen oder Taschen umgearbeitet werden.

Der Laden ist klein und von außen sehr unscheinbar, umso größer ist die Überraschung, wenn man hereinkommt und die großen bunten Kelims an der Wand sieht. Während unseres Gesprächs sitzt Frau Tursun auf einem antiken Hocker, der mit einem farbenfrohen Kelim bezogen ist und arbeitet an einem alten Kelim, den sie mühevoll mit schwarzer Wolle restauriert und ausgefranste Kanten wieder herstellt. „Im Sommer sitze ich gerne vor der Türe auf der Straße und arbeite dort“, oft bleiben Passanten vor ihrem Geschäft stehen und sind über ihre ungewöhnliche Arbeit sehr verwundert. „Was mir sehr gut gefällt ist, dass die Leute einfach spontan hier reinkommen, um das einfach mal anzuschauen.“  Die meisten Kunden des Kelimhaus sind aber keine Laufkundschaft, sondern kommen von außerhalb. Große Werbung und Anzeigen gibt es nicht. „Jeder der sich für Kelims interessiert und Kelims liebt, findet mich, ganz egal, wo ich bin.“

Die Kelims von Frau Tursun sind ganzjährig in ihrem Laden ausgestellt, aber auch Museen interessieren sich für ihre Arbeit, unter anderem das Rautenstrauch-Joest Museum an der Ulrepforte, nicht weit entfernt von ihrem Laden. „Ich arbeite sehr viel mit Künstlern zusammen“. Erst kürzlich ging eine Ausstellung zu Ende, die „Köln und Anatolien“ hieß. Die dort ausgestellten Kelims wurden von einer Künstlerin aus Köln entworfen und in der Türkei gefertigt.

Viele ihrer kostbaren Kelims kauft sie in der Türkei. Hergestellt werden die kostbaren Webteppiche ausschließlich von Frauen, meist über die Wintermonate. Je nach Größe und Muster eines Kelims kann dessen Herstellung mehrere Monate dauern. Für Keziban Tursun sind Kelims wie eine Sucht, „jeder Kelim hat eine Geschichte, es ist nicht einfach nur ein Teppich, sonder ein Bild, in dem man immer wieder etwas Neues entdecken kann“. Um Interessenten die Geschichte und Kultur des Kelims näher zu bringen, organisiert sie in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen in ihrem Laden, bei denen sie von und über die Kelims erzählt. Informationen über die beliebten und stets sehr gut besuchten Termine erhält man am besten direkt bei ihr. Bereits vor fünfzehn Jahren hatte Frau Tursun ihr erstes Geschäft in der Südstadt, dann zog sie in die Stadtmitte an den Neumarkt und vergrößerte ihre Verkaufs- und Ausstellungsfläche. Seit vier Jahren lebt und arbeitet sie aber wieder in der Südstadt. "Ich liebe die Südstadt einfach, ich lebe auch hier und habe viele Freunde hier." Ihre Wohnung hat sie in direkter Nähe zum Geschäft weil sie die Straßen und vor allem die Menschen hier nett findet. "Ich finde, dass die Menschen, die hier in der Südstadt leben, sich mehr für Kultur interessieren. Es leben hier auch vielen interessante Menschen, auch Personen, mit denen ich immer wieder zu tun habe."

Keziban Tursun schwärmt von der Südstadt und vor allem von ihren Kelims. " Ich möchte einfach, dass die Leute Freude an diesen Dingen haben. Sie betrachten den Kelim und stellen die Verbindung zu mir her." Die Kelims haben je nach Größe, Muster, Herkunft, Alter und Zustand sehr unterschiedliche Preise. Wer sich ein schönes Stück kaufen möchte, sollte mit mehreren hundert Euro rechnen.

Simone Heinrich

Kelimhaus
Kurfürstenstraße 27
50678 Köln
Tel.: 0221-3319238

Öffnungszeiten
Di-Sa 11.00 - 16.00 Uhr