

In einer kleinen Nebenstraße der Kölner Südstadt, nur ein paar Schritte vom Clodwigplatz entfernt, versteckt sich eine bedeutende Ballettschule. Ballettakademie Giny Greiner, steht auf einem unscheinbaren Gebäude geschrieben. Als eine von vielen Schulen weltweit, bildet sie ihre Schüler mit internationalen Standard, nach den qualitätvollen Lehrplänen der Royal Academy of Dance in London, aus.
Das Schaufenster der Schule ist mit einer riesigen schwarz/weiß Fotografie einer Ballett-Tänzerin dekoriert, daneben liegen viele Auszeichnungen. Beim Öffnen der Tür, öffnet sich eine Welt des klassischen Tanzes mit graziösen Bewegungen und disziplinierter Haltung. Durch die Glassscheibe, die Aufenthaltsraum und Tanzsaal voneinander trennt, werden Mädchen sichtbar, die mit ihren Ballett-Schläppchen über den Boden zu schweben scheinen. Die speziell angefertigten Schuhe zeigen genauer, ob die Schüler ihre Füße richtig strecken und dienen einer besser arbeitenden Fußmuskulatur. Die Haare der kleinen Tänzerinnen sitzen ordentlich und eng am Kopf, damit die Lehrerin die exakte Kopfhaltung besser beurteilen kann. Farblich abgestimmte Outfits bewirken ein Einheitsbild. Die Kleidervorschriften dienen jedoch nicht ästhetischen Zwecken, Funktionalität ist am wichtigsten. So halten die Hände der Mädchen die linken und rechten Ränder der knielangen Tellerröcke fest, wodurch sich die Arme auf Hüfthöhe positionieren. In höheren Klassen ist der Rock nicht mehr Bestandteil des Outfits. Die Arme nehmen dann automatisch die richtige Haltung ein.
Fünfzehn Minuten sind vergangen, die Hälfte der Kurszeit ist vorbei. Desinteresse ist in keines der kleinen Gesichter zu finden. Energie geladen bewegen sie sich frei im Raum zu fröhlichen Kinderliedern, die aus dem Kassenrekorder erklingen. Seit Herbst 2004 können zweieinhalb Jährige am Unterricht der Ballettakademie Giny Greiner teilnehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass vor allem Kleinkinder leichter und schneller lernen können, wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum den Ballettunterricht besuchen. "Ich selbst war, als ich von dem Vorhaben der Royal Academy erfuhr, erst etwas skeptisch, habe aber später festgestellt, dass hinter diesem Angebot eine sorgfältige Planung und viele interessante Möglichkeiten der frühkindlichen Bildung stehen.", so Giny Greiner. Mit dem Ziel die Motorik der Kleinen langsam aufzubauen, setzt sich das Unterrichtsprogramm überwiegend aus sitzenden Bewegungen zusammen, die später durch weitere Übungen ergänzt werden. Mittlerweile sitzen alle im Kreis und versuchen "Emotionen", die von den Lehrerinnen Nicole Rduch und Maria Pickart vorgeben werden, nachzuahmen. "Und jetzt lacht ihr so laut wie ihr könnt", sagt Nicole Rduch zu den Mädchen. Lautes Gelächter bricht aus.
Das Kindern und Jugendlichen auf eine "lockere" Weise eine seriöse Grundausbildung erhalten, spiegelt sich im gesamten Prüfungsplan wieder. Im Gegensatz zu früher wird den Kindern mehr Freizeit eingeräumt. Sie können somit neben dem normalen schulischen Weg bis zum Abitur eine komplette Berufsausbildung absolvieren. In dem ein- bis zweimal wöchentlichen Unterricht werden die Grundlagen der Ballett-Technik vermittelt, die zur Erziehung und körperlichen Entwicklung beitragen. Körpergefühl, Koordination, Verständnis zur Musik und Leistungsfähigkeit werden gefördert und das Selbstbewusstsein trainiert. Ein sicheres Auftreten vor einem großen Publikum steht somit nichts im Wege.
Ehemalige Schülerin Sabine Hettlich strotzt vor Selbstbewusstsein, wenn sie heute auf der Bühne steht. Von Nervosität ist keine Spur. Als Sechsjährige stand sie das erstmals vor Giny Greiner und äußerte ihren Wunsch Tänzerin zu werden. Seitdem besuchte sie regelmäßig die Ballettakademie. Mit 19 Jahren machte sie ihr Abitur und legte nebenbei alle RAD-Prüfungen ab. Noch im gleichen Jahr erhielt sie eine Zusage für die Hauptrolle in dem Hamburger Musical Cats. Seit Dezember 2003 wohnt Sabine Hettlich in Paris und steht an sechs Tagen in der Woche für zwei Shows pro Abend auf der Bühne des Lido, dem berühmtesten Kabarett der Welt.
Dass eine abgeschlossene Ballettausbildung nicht Voraussetzung ist, um erfolgreich auf internationalen Bühnen zu tanzen, zeigt der Schüleraustausch der Ballettakademie Giny Greiner im Herbst 2004. Achtzehn Schülerinnen und acht Begleiter flogen im Oktober nach Kanada, um gemeinsam mit den kanadischen Schülern in Georgetown eine Vorstellung zu geben. Einen Monat nach dem Treffen wurden die jungen Kanadier nach Deutschland eingeladen, wo sie gemeinsam am 13. November im Comedia Colonia auftraten. Die internationale Freundschaft ist durch die Prüfungstage im Vorjahr Zustande gekommen. Zwei mal im Jahr sind erfahrene Ballettpädagogen als Prüfer und Prüferinnen, die sogenannten RAD-Examinatoren, weltweit unterwegs, um Leistungen der Schüler nach dem internationalen Standard zu bewerten. Eine der Prüferinnen aus Toronto war von den Leistungen der Giny Greiner Schüler so begeistert, dass sie kurz darauf einen Schüleraustausch vorschlug.
Dreißig Minuten sind in Windeseile vergangen. Die Musik, die den Unterricht musikalisch begleitet hat, verstummt. Die Mädchen rennen freudestrahlend zu ihren Müttern, die im Aufenthaltsraum warten. Nächste Woche Montag ist der nächste Kurs, den einige kaum abwarten können. Noch sind die kleinen Damen in der Pre-School, der ersten Ausbildungstufe. Es folgen Pimary, acht weitere Grades und die Vocational Grades, die sich aus sechs weiteren Kursen zusammensetzen. Ein langer spannender Weg liegt vor ihnen und wer weiß, vielleicht können wir die ein oder andere in ein paar Jahren ebenfalls im Lido oder auf anderen weltbekannten Bühnen bewundern.
Ballettschule Giny Greiner
Elsasstr. 8-10
50677 Köln
Tel.: 0221-393624

Schon als Jugendliche war die gebürtige Niederländerin Giny Greiner sehr diszipliniert. Während anderen der Abiturstress zu Kopf stieg, machte sie nebenbei eine komplette Ballettausbildung. Danach stand die Tänzerin unter anderem auf den Bühnen des Nederlands Dans Theaters und Niedersächsischen Staatstheaters in Hannover. Nachdem sie ihr Studium im Fachbereich Ballettpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater abgeschlossen hatte, blieb sie der Hochschule weiterhin als Dozentin für klassischen Bühnentanz erhalten. Zugleich zeigte sie großes Engagement am Niedersächsischen Staatstheater. Das Nationaltheater Mannheim zählt außerdem zu ihren Referenzen.
Nachdem Giny Greiner mehr als 10 Jahre Bühnenerfahrungen gesammelt hatte, gründete die staatlich geprüfte Ballettpädagogin 1971 ihre eigene Ballettschule in Köln-Rodenkirchen. Die seit 1973 entstandene Zusammenarbeit mit der "Royal Academy of Dance" in London führte 1989 zur Gründung der Ballettakademie Giny Greiner. Damit war ihre Ballettakademie eine der wenigen privaten Ausbildungsstätten weltweit und die erste in Deutschland, die RAD-Pädagogen ausbilden durfte. In den vergangenen Jahren absolvierten hier über 90 Studenten ihr Diplom in Ballettpädagogik. Ende 2004 endete diese Art der Ausbildungsmöglichkeit.

Am 18. Juli 1920 lud Philip Richardson, der ehemalige Herausgeber von "Dancing Times", repräsentative Vertreter der fünf besten Tanzschulen Europas zum ersten "Dance Circle Dinner" ein. Im Restaurant Trocadero am Piccadilly in London saßen neben ihm Dänin Adeline Genée, Russin Tamara Karsavina, Lucia Cormani aus Italien, Edouard Espinosa aus Frankreich und Engländer Phyllis Bedells am Tisch und grübelten wie das Niveau der Ballettschulen für klassischen Bühnentanz verbessert werden kann. Drei Monate später wurde der Verband "Association of Teachers of Operatic Dancing in Great Britain", mit Adeline Genée als Präsidentin, gegründet.
Über die nächsten Jahrzehnte vergrößerte sich der Verband und wurde einflussreicher. 1928 willigte HM Queen Mary Schirmherrin des Verbandes zu werden. Beim letzten Staatsrat-Treffen im Jahr 1935 gewährt König George V. dem Verband das königliche Vorrecht. Ein Jahr später besiegelt er das Dokument und die "Royal Academy of Dance" war geboren. Nach dem Tod von Queen Mary, willigt Queen Elizabeth II 1953 ein die neue Schirmherrin der Akademie zu sein.
Die "Royal Academy of Dance" in London hat sich im Laufe der Zeit zu einem Zentrum für Tänzer und Ballettlehrer weltweit entwickelt. Sie führt unter anderem Lehrerkurse durch. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Unterrichtsplan und jahrelange Erfahrungen sprechen für die hoch qualifizierte Fachausbildung der Akademie.
Katrin Süß