Das Leben als Puppenspieler

Förster spielt regelmäßig bei Käptn'n Blaubär. (Foto: A. Förster)

Andreas Förster ist leidenschaftlicher Puppenspieler. Seit mehr als 15 Jahren ist er mit seinem mobilen Puppentheater Pfefferminz-Prinzen im Ruhrgebiet unterwegs. Bei TV-Produktionen wie Blaubär oder die Sesamstrasse wirkt er ebenfalls regelmäßig mit. Wir trafen den sympathischen Mann in seiner Werkstatt, in der Nähe vom Clodwigplatz, und fragten ihn Löcher in den Bauch.

War der Beruf Puppenspieler ein Kindheitstraum, den Sie zum Leben erweckt haben?

Förster: Ein Kindheitstraum war es nicht. Ich wollte als Kind Koch werden. Als ich 17 Jahre wusste ich nicht genau was ich nun machen soll. Schließlich habe ich mich für eine Ausbildung als Erzieher entschlossen, was im Dorf damals recht ungewöhnlich war. Erzieher war ein Frauenberuf. Ich war dort der erste Mann im Kindergarten. Die Ausbildung als Erzieher ist sehr kreativ. Du machst auch viel Theater mit den Kindern. So habe ich festgestellt, dass ich ein Talent dazu habe und sehr viel Spaß daran. Nach der Ausbildung wollte ich zum Theater und habe Schauspielunterricht in Bielefeld genommen. Ungefähr 1986 habe ich aus Neugier Kurse am Figurentheaterkolleg belegt. Das hat mir so gut gefallen, dass ich einige Jahre dort geblieben bin. Danach habe ich mich (1989) selbstständig gemacht. Mit meinem Kollegen Andreas Arnold habe ich das Theater die „Pfefferminz Prinzen“ gegründet.

Wie sind Sie auf den Namen „Pfefferminz-Prinzen“ gekommen?

Förster: Es gab damals das Lied „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ von Marius Müller Westernhagen. Das fanden wir ganz lustig.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Constanze?

Förster: Constanze habe ich damals in der Gum kennen gelernt. Wir haben einen Kurs zusammen gemacht mit Fernsehpuppen. Constanze spielt auch viel selber, hat da auch im Comedy-Bereich gespielt und so ist halt dieser Kontakt entstanden. Wir haben gemerkt, dass wir einen guten Draht zueinander haben. Einer weiß wie der andere spielt und es passte gut zueinander. Wir sind auf einer Wellenlänge sozusagen. Deshalb habe ich sie irgendwann gefragt ob sie beim Froschkönig mitspielen will und das hat wunderbar funktioniert. Wir haben auch zusammen für den WDR die beiden Kuschelbären „Johannes und Stachel“ gespielt, die wir übrigens selbst gebaut haben.

Früher war es Andreas Arnold, heute stehen Sie mit ihrer Kollegin Constanze Schmidt auf der Bühne. Wieso sind die Pfefferminz-Prinzen nicht mehr als zwei?

Förster:  Ein Auftritt mit mehr Leuten lohnt sich finanziell nicht. Das Honorar von einem kleinen Kindertheater ist für zwei Personen gerade genug. Hinzukommt, die Organisation von mehreren Personen ist sehr schwierig. Der eine nimmt es nicht so ernst, der andere muss arbeiten… Deswegen sind wir nur zu zweit. Bei der Entwicklung der Stücke stütze ich mich allerdings immer auf mehr Leute. Dann hol ich einen Regisseur, einen Kollegen aus Bochum zum Beispiel, und einen Musiker aus Witten, den ich kenne von damals, der macht Musik in den Stücken. Je nachdem was ich da brauche, für technische Unterstützung, im dramaturgischen Bereich die Regie oder im Puppenbau.

Bauen Sie ihre Puppen auch selber oder lassen Sie bauen?

Förster: Die einfachen Figuren für das Kindertheater, Kinder von 4 bis 8, die baue ich selber. Es ist grundsätzlich schön, wenn du die Figuren selber gebaut hast. Du hast ein anderes Gefühl dazu und du spielst auch anders. Aber es besteht natürlich auch die Möglichkeit Figuren von jemand anders bauen zu lassen. Es ist zwar was anderes, aber ich habe überhaupt kein Problem damit, denn ich spiele eigentlich am liebsten.

Gibt es Puppenspieler, die nicht mit „fremden“ Figuren spielen wollen?

Förster: Ja, die wollen nur ihre eigenen Sachen haben. Sie können sich nicht mit anderen Figuren anfreunden. Eine Puppe passt auch manchmal zu dir. Deshalb heißt es auch bzw. es ist tatsächlich so, dass viele Figuren dir ähnlich sehen, wenn du sie selber baust. Egal ob es jetzt Hund, Katze, Maus oder Wolf ist, oft haben sie eine gewisse Ähnlichkeit mit dir selber. Das hat mit dem Ausdruck zu tun. Du schaffst ja sozusagen ein „Kunstwerk“. Auch wenn viele meinen es sei „nur“ für Kinder, ich sehe es als ein Gesamtkunstwerk. Du schaffst etwas und bist im ganzen Prozess dabei.

Wie entsteht ein Stück?

Förster: Wir haben verschiedene Möglichkeiten ausprobiert. Wir haben uns ein Bilderbuch vorgenommen, das ausgearbeitet und ein Stück gemacht oder wir haben uns ein Stück schreiben lassen, „Schokolino“ von Bernd von Fern. Oder die dritte Möglichkeit wir haben das Märchen „Froschkönig“ als Vorgabe gehabt und haben das umgesetzt. Du kannst also verschiedene Wege gehen um ein Stück zu entwickeln, wodurch es sehr interessant ist. Die Möglichkeiten sind ja sehr vielfältig. Oder du lässt dich einfach durch eine Thematik inspirieren, wie zum Beispiel Umwelt oder Anderssein, oder banale einfache Sachen wie ein Streit. Die Ideen kommen meistens bei Gesprächen. Manchmal sehe ich irgendwo im Museum, in der Stadt oder in der KVB Straßenbahn etwas, dass mich inspiriert. Manche Sachen bleiben ständig im Kopf. Ich habe schon seit Jahren, die Idee Rotkäppchen machen zu wollen, weil ich dieses Märchen irgendwie faszinierend finde. Hab dann aber auch schon mal weiter überlegt und dachte mir: „Ne, das ist es nicht.“ Und dann verschwindet das wieder in der Versenkung. Vielleicht mache ich es mal irgendwann. Jetzt habe ich wieder Rechte für ein Bilderbuch bekommen. Ich überleg das zu machen oder vielleicht andere Dinge, die freier sind. Durch Improvisation können auch Stücke entstehen.

Wann sind Sie am kreativsten? Ist das von einer bestimmten Tageszeit abhängig?

Förster: Ich habe festgestellt, ich darf nicht in einen Trott reinfallen. Deshalb muss ich auch ab und zu rausgerissen werden, mich dann vielleicht verlassen fühlen oder denken „Ah nichts funktioniert, scheiße!“ Kreativ bist du manchmal aus einer Verzweiflung heraus und du bist es spontan, also nicht zu einer bestimmten Zeit. Höchstens Mal aus einem Gefühl heraus, das du dich irgendwo mit jemanden festredest oder wenn ich mit Constanze irgendwo sitze und Bier trinke. Dann entstehen neue Ideen. Ich habe auch ein Ideenbuch, in das ich mir sehr viel aufschreibe, damit ich nichts vergessen. Dann weiß ich irgendwann, „aha, die Idee wird nix, die andere vielleicht“. Ich probiere auch sehr viel aus. Ich mache nicht so große Vorbereitungen, dass ich Figuren vorher zeichne. Ich baue einfach, weil ich die Sachen im Kopf habe. Dann baue ich was und denke „super“ oder irgendwie sieht’s noch nicht gut aus. Ich arbeite sehr viel mit Schaumgummi. Das ist ein sehr flexibles Material, du kannst rumschnippeln oder auch mal wieder etwas dran kleben. So mit Holz könnte ich glaube ich nicht arbeiten.

Gibt es eine Ausbildung zum Puppenspieler?

Förster: In den ganzen Ostblock-Ländern war Puppentheater früher sehr bedeutend. Du konntest es dort schon immer richtig lernen. Es gab große Figurentheater für Erwachsen in den Städten. Heute kannst du an der Ernst-Bush Schule in Berlin und außerdem in Stuttgart „Figurentheater“ studieren. Du bist dann Diplom-Puppenspieler. Zu meiner Zeit war das Figurentheaterkolleg eines der besten Schulen. Ist es heute immer noch, meiner Meinung nach.

Was ist das Figurentheaterkolleg?

Förster: Das ist ein Weiterbildungsinstitut in Bochum über das gesamte Thema Puppenspiel, vom Bau; Dramaturgie, Regie, Stimmarbeit, Musik, Pantomime, Clownerie, Büroarbeit bis hin zu Gestaltung eines Prospektes. Ich war damals teilweise noch als Erzieher tätig und wollte aus Neugier einen Kurs ausprobieren. Ich habe den Kurs Sprecherziehung belegt. Da der Kurs mir super gut gefallen hat, habe ich mich nach einiger Zeit entschieden ein Grundsemester zu machen. Im Grundsemester ist es so, dass du alles behandelst. Es werden Kleingruppen von 4 bis 5 Leuten gebildet, die ein Stück entwickeln und es anschließend auch Aufführen.

Es gibt immer mehr Ausbildungsmöglichkeiten, der Bedarf an Puppenspielern ist also in den letzten Jahren gewachsen?

Förster: Mittlerweile ist es aufgrund der kulturellen Kürzungen in Städten und Gemeinden eher schwierig Auftritte zu bekommen. Viele können es einfach nicht mehr bezahlen. Im Kindergarten zum Beispiel, die können nicht mehr zahlen bzw. zahlen nicht genug. Letztes Jahr hatten wir die ganze Season im Lego-Land in Günsburg/Bayern, gespielt. Der Freizeitpark ist mittlerweile pleite, obwohl er erst vor ein paar Jahren eröffnet wurde. So musst du halt immer wieder neue Sachen finden. Ich arbeite hin und wieder in der Altenpflege um die Fixkosten zu halten und andere mache andere Minijobs wie Supermarkt-Begehungen. Außerdem habe ich bei der Schauspielproduktion, „Auf hoher See“ von dem polnischen Autor mitgewirkt, die im November 2004 im Bürghaus Stollwerk Premiere hatte.

Katrin Süß

Seit 2006 betreibt Andreas Förster ein kleines Puppentheater in der Kölner Südstadt:
BLAUES-HAUS
Puppentheater und mehr
Severinstraße 120
50678 Köln
Tel: 0221-4713239

blaues-haus.biz