Der Vringstreff - eine Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Wohnung

Die Südstadt hat überdurchschnittlich viele Obdachlose. Über fünf Prozent der Männer in der Südstadt sind älter als 50 und wohnungslos. Allein in der Obdachlosen-Einrichtung "Johanneshaus" in der Annostraße leben über 300 Personen. Es gibt zahlreiche Schlafstätten und Notunterkünfte.

Begegnungsstätte für Obdachlose

"Es war anstößig, dass hier so viele Menschen auf der Straße waren, die gebettelt haben", erzählt Jutta Eggeling, Sozialpädagogin und Leiterin des Vringstreff. So haben sich vor neun Jahren die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden rund um den Chlodwigplatz, der Johannes-Bund, die evangelische Studierendengemeinde und die Bürgerinitiative Südliche Altstadt zusammengeschlossen und den Vringstreff gegründet. Die Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Wohnung hinter der Severinskirche ist zugleich eine Fachberatungsstelle für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Bei Obdachlosigkeit, psychischen Problemen oder sonstigen Krankheiten, Arbeitslosigkeit oder Schulden können diese sich hier beraten lassen und bekommen Hilfe.

Seit es den Vringstreff gibt, ist die Südstadt entlastet. Die Menschen sind weniger auf der Straße und halten sich mehr hier auf, wo sie sich ausruhen und aufwärmen können. Für zwei Euro bekommen sie ein Mittagessen, es gibt Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Einmal die Woche auch Frühstück. Das Zwei-Preise-System – Normalverdienende bezahlen etwa fünf Euro für ein Mittagessen – ermöglicht es, die Preise für Menschen mit geringem Einkommen niedrig zu halten.

Schach ist ein beliebtes Spiel bei den Besuchern des Vringstreffs

Der Vringstreff hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen ohne Wohnung am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Dazu gehört auch, dass sie Kultur wahrnehmen können, die sie sich sonst nicht leisten könnten. So finden einmal im Monat Konzerte, Theatervorführungen oder Lesungen statt. Es gibt Ausstellungen und alle 14 Tage eine Kinovorstellung. Der Vringstreff organisiert zudem zweimal im Jahr Ferienfahrten für seine Besucher und hat eine eigene Mal-, Theater- und eine Fußballgruppe.

Die Künstler, die im Vringstreff auftreten, sind Künstler aus der Region, die als Gage lediglich das Eintrittsgeld bekommen. Wilfried Schmickler war schon da, die Talking Horns, Harry Rowoldt, die Playback-Theatergruppe Lamäng und Alessandro Palmitessa. Die kulturellen Veranstaltungen sollen auch dazu dienen, Menschen anzuziehen, die den Vringstreff normalerweise meiden. So lernen sie die Einrichtung kennen und werden manchmal sogar Mitglied.

Der Vringstreff e.V.. wird als Fachberatungsstelle von der Stadt Köln und dem Landschaftsverband Rheinland finanziert. Er finanziert sich außerdem durch Zuschüsse von der Evangelischen Kirche und der Caritas-Stiftung, durch Spenden oder durch das, was er selbst erwirtschaftet.

"Berührungsängste mit Obdachlosen hat jeder, aber das Schöne ist, dass man die hier abbauen kann", findet Jutta Eggeling. Sie erlebt die Südstädter als sehr offenherzige, tolerante und hilfsbereite Menschen. "Es gibt hier eine Art Netzwerk. Wenn es eng wird, weiß ich, wen ich anrufen und um Hilfe bitten kann, und die sagen: 'Klar!'". Das Flair des Veedels und die Verbundenheit der Südstädter gefallen der Sozialpädagogin so gut, dass sie ihren Umzug in die Südstadt plant.

Judith Jensen

Vringstreff e.V..
Im Ferkulum 42
50678 Köln
Tel.: 0221-2785656
Fax: 0221-2785657
info@vringstreff.de

Öffnungszeiten
Mo-Do 11.30 - 17.00 Uhr
Fr 09.00 - 12.00 Uhr

Links

www.vringstreff.de - Offizielle Vringstreff-Website