

"Nirgendwo wurde dem Nationalsozialismus bis 1933 so viel offener und nach 1933 so viel geistiger Widerstand geleistet wie in Köln", sagte einmal Konrad Adenauer, langjähriger Oberbürgermeister von Köln und späterer Bundeskanzler.
Die "größten Ovationen meines Lebens" wurden ihm in Köln entgegengebracht, sagte einmal Adolf Hitler (Vgl. Vorwort von Elke Heidenreich in Serup-Bilfeldt, Kirsten 2003: Stolpersteine).
Einige Kölner Bürger glaubten und glauben noch heute gern an den besonderen Widerstand, der dem Nationalsozialismus in Köln entgegengebracht worden sei; an die Vorstellung, dass ihr karnevalsfrohes Gemüt nicht in Einklang mit den faschistoiden Vorstellungen Adolf Hitlers stand. Fakt ist, dass dies nicht so war. Fakt ist, dass die NSDAP in Köln genauso schnell an die Macht kam wie im übrigen Reich. Fakt ist, dass sich 1933 in einer Volkszählung 15.000 Bürger zum Judentum bekannten. Fakt ist auch, dass bei der Besetzung Kölns durch amerikanische Truppen am 6. März 1945 nur noch 40-50 Juden aus ihren Verstecken kamen.
Schon am 30. Januar, nach Hitlers Ernennung zum Reichkanzler, zogen SA und SS mit Fackelzügen durch Köln. Die NSDAP erhielt am 5. März 33,1 Prozent der Stimmen, bei der Kölner Kommunalwahl 39,6 Prozent. Einen Tag später verlor Adenauer sein Amt als Oberbürgermeister und floh aus der Stadt. Im Juli wurde ihm endgültig verboten, die Stadt noch einmal zu betreten.
Am 31. März mussten sich jüdische Richter und Rechtsanwälte auf einem Wagen der Müllabfuhr durch die Stadt fahren und misshandeln lassen; die Arisierung der Ämter begann. Im April folgten erste Aktionen und Posten vor jüdischen Geschäften: Ein- und Ausgehende wurden kontrolliert, antisemitische Plakate wurden aufgehängt. Man zwang die Inhaber, mit Hetzplakaten durch Kölns Straßen zu laufen. Es folgten Entlassungen nicht-arischer Beamter und das Berufsverbot für jüdische Kassenärzte, Apotheker und Lehrer.
Diesem Bespiel der Verdrängung folgten viele Kölner Vereine und Clubs freiwillig, noch bevor es Pflicht wurde, und schlossen Juden als Mitglieder aus. Am 17. Mai fand die Bücherverbrennung vor der heutigen FH Köln statt, zehn Tage später als im gesamtdeutschen Reich. In der Wirtschaft wurden 1933 die ersten Geschäfte arisiert, unter anderem das Geschäft Photo Brenner.
Die antisemitische Haltung war im Februar auch beim Karneval nicht mehr zu übersehen: Ein Karnevalswagen, geschmückt mit einer Banderole "Die Letzten ziehen ab", und Karnevalisten, die lange Bärte und jüdische Hüte trugen, zogen am johlenden Publikum vorüber. Das Ganze zu den Klängen antisemitischer Karnevalslieder.
Am 27. Juni erhielt Hermann Göring die Kölner Ehrenbürgerschaft. Später folgten Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Robert Ley, Alfred Rosenberg und Josef Goebbels.
Als am 19. August darüber abgestimmt wurde, die Ämter Reichspräsident und -Reichskanzler zusammenzulegen, was eine immense Machterweiterung Adolf Hitlers bedeutete, stimmten 78,7 Prozent der Kölner dafür.
Am 1. Dezember zog die Gestapo (Geheime Staatspolizei) in das EL-DE-Haus am Appellhofplatz. Im Keller wurden zehn Zellen errichtet, in denen mehr als 750 Menschen ermordet wurden.
Das entmilitarisierte Rheinland wurde am 7. März von der deutschen Wehrmacht besetzt; die Truppen wurden in der Innenstadt begeistert begrüßt. Zehn Tage später besuchte Hermann Göring Köln. Hitler, Goebbels und Heß wurden am 28. März begeistert empfangen.
Entartete Kunst, unter anderem von Paul Gaugin, Vincent van Gogh, Pablo Picasso und Otto Dix wurden am 6. Juli 1937 von den Nationalsozialisten aus dem Wallraf-Richartz-Museum beschlagnahmt.
Im März 1938 war Hitler erneut in Köln, wo er für die Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs warb. Ab April wurden alle jüdischen Vermögen über 5.000 Reichsmark registriert, ab Juni gab es eine Meldepflicht für jüdische Gewerbetreibende und die Überwachung aller Wirtschaftsunternehmen. Die Zusatznamen Israel und Sarah wurden ab August für alle Juden Pflicht. Ab September durften jüdische Ärzte nur noch Juden behandeln, ein Medizinstudium wurde Juden verwehrt. Im Oktober kam ein J in die Pässe.
Unter den 17.000 Juden, die am 28. Oktober nach Polen abgeschoben wurden, dort aber zunächst nicht aufgenommen wurden, waren mehrere Hundert Kölner. Die Familien wurden zerrissen.
Als der Sohn eines abgeschobenen Juden in Paris den deutschen Botschafter Ernst vom Rath erschoss, wurde dies als Vorwand für die Progromnacht am 9./10. November genutzt: Jüdische Geschäfte wurden geplündert und demoliert, alle sechs Synagogen Kölns niedergebrannt und/oder verwüstet und 500 Kölner Juden von der Gestapo nach Dachau verschleppt. Andere wurden in ihren Wohnungen geschlagen und misshandelt. Am 12. November wurde die vollständige Enteignung beschlossen. Bis Jahresende mussten jüdische Betriebe geschlossen oder zu Spottpreisen verkauft werden. Außerdem wurde eine Sühneleistung für den Tod des Botschafters von einer Milliarde Reichsmark verlangt, die Schäden der Progromnacht mussten die Juden selber begleichen, eingezahlte Versicherungsbeiträge wurden beschlagnahmt. Fortan durften Juden keine Theater, Kinos und Konzerte mehr besuchen, ihre Führerscheine wurden beschlagnahmt.
Die Arisierung der Wirtschaft war vollendet: Am 1. Januar 1939 gab es keine jüdischen Geschäfte mehr. Die verbliebenen Juden mussten fortan Zwangsarbeit verrichten. Mindestens 735 Häuser und Grundstücke wurden bis 1944 beschlagnahmt und verkauft, wovon auch die Stadt profitierte. Sie zog 1940 mit dem Gesundheitsamt in ein arisiertes Kaufhaus am Neumarkt ein. Noch heute befindet es sich dort.
Ab dem September galt eine Ausgangssperre für Juden nach 20 Uhr, Lebensmittelkarten und Textilien wurden mit einem J gekennzeichnet und der Mieterschutz wurde ihnen entzogen. Juden wurde untersagt, Luftschutzbunker aufzusuchen.
Im Frühjahr 1940 mussten Kölner Juden aus nichtjüdischen Häusern ausziehen. Am 16.Mai wurden Sinti und Roma festgenommen und in das Sammellager Deutzer Messehallen gebracht. Es folgte der erste Transport von 1.000 Menschen nach Polen, im Oktober ein weiterer mit 500 Menschen nach Lodz.
Am 12. Mai 1941 bekamen viele Juden verheerende Nachrichten per Post: alle Juden im Rechtsrheinischen hatten ihre Häuser bis zum 1. Juni zu räumen. Die Unterbringung erfolgte in Judenhäusern in der Alt- und Neustadt, in Ehrenfeld und Nippes. Im September begann für alle Juden die Kennzeichnungspflicht per Judenstern auf der Kleidung und an der Wohnung.
Die ersten Transporte von Juden begannen in Köln am 21. Oktober 1941 nach Lodz (Litzmannstadt). Als Sammellager diente das Fort V in Müngersdorf.
Ab dem 23. Oktober wurde die Ausreise von Juden verboten und die Flucht aus Deutschland damit unmöglich. Am 20. November mussten alle Juden Schreib- und Rechenmaschinen, Vervielfältigungsgeräte, Fahrräder, Foto- und Filmapparate und Ferngläser abgeben.
Die dritte Deportation am 8. Dezember, die eigentlich nach Minsk gehen sollte, wurde nach Riga umgeleitet. Die Juden worden dort in dem Ghetto der zuvor ermordeten Letten untergebracht.
Die Endlösung der Judenfrage, die am 20. Januar 1942 in Berlin beschlossen wurde, betraf in Köln nur noch 6.200 Menschen. Ab Februar begannen die Deportationen systematisch.
Am 30. Mai, der "Nacht der Tausend Bomber", wurden in Köln 45.000 Menschen obdachlos. Alle Patienten des Jüdischen Krankenhauses wurden nach Müngersdorf evakuiert und später deportiert. Am 4. November waren fast alle jüdischen Bürger Kölns ermordet.
Goebbels besuchte am 8. Juli 1943 Köln, um die Bombenschäden am Dom zu begutachten und die Kölner zum Durchhalten zu motivieren. Ende 1943 wurde Köln als judenfrei erklärt.
Auch Mischlinge wurden ab Anfang 1944 verschleppt. Im Oktober verließ der letzte Deportationszug Köln.
Am 5. März 1945 verließ der ehemalige Staatsrat und Gauleiter Köln-Aachen Josef Grohé das linksrheinische Köln. Er wurde erst 1946 gefasst und konnte bis 1987 ein normales Leben in Köln-Brück führen. Am 13. März 1945 erreichten die Amerikaner das linksrheinische Köln. Köln wurde zu 70 Prozent zerstört.
George Endrejat