Heine im Duett

Heine-Lesung im Café Himmelsblick

Zu einer "szenischen Lesung" aus Heines kritischen Texten hatte die Fachhochschule Köln in der Reihe "Kultur im Himmelsblick" geladen. Ein erst verwirrender, dann aber sehr lehrreicher Abend.

Heine im Duett: Publizist und Pfarrer über Politik und Korruption


Auch Kerzenschein und Knabbergebäck konnten am 8. November nur wenige Besucher in das Café Himmelsblick der Fachhochschule in der Claudiusstraße locken. Vielleicht war die Ankündigung einer szenischen Lesung aus den gesellschaftskritischen Texten Heinrich Heines doch zu irritierend. Gemeint war eine kommentierte Lesung aus ausgewählten Texten des Dichters. Vorgetragen wurden die Zitate von dem Historiker und pensionierten Kölner Pfarrer Klaus Schmidt, der – wie er betonte - einen Schauspieler ersetzte. Es kommentierte der Publizist Werner Rügemer. Er erläuterte die Zitate und setzte sie in Bezug zur heutigen Zeit  - auch zu seinem eigentlichen Fachgebiet: Politik und Korruption.

Heines Abneigungen gegen Amerika, England und Frankreich

"Denk ich an Deutschland in der Nacht", zitierte Schmidt sogleich die bekanntesten Zeilen Heines – um dann schnell zu weniger Bekanntem überzugehen. Es begann mit den "Briefen aus Helgoland", geschrieben in einem Urlaub dort im Jahr 1830. Heine zweifelt an seinen Möglichkeiten, sich in Deutschland politisch einmischen zu können und überlegt, wo er sein "Haupt niederlegen kann". Italien, das er bereits bereist hatte, kommt nicht in Frage – "vor jedem Zitronenbaum steht dort eine östreichische Schildwache und donnert dir ein schreckliches Werda! entgegen." Auch nach England will er nicht mehr, dieses "schnöde Land, wo die Maschinen sich wie Menschen und die Menschen wie Maschinen gebährden." Frankreich hat er trotz der "vortrefflichen Küche" eigentlich auch schon ausgeschlossen, ist doch vom Frankreich der Revolution nicht viel übrig geblieben. Bleibt noch Amerika, "wo die unsichtbaren Ketten mich noch schmerzlicher drücken würden". Wegen der Sklaverei lehnte er Amerika grundsätzlich ab.

Das Land, das die große Freiheit für alle Auswanderer verheißt, ist für Heine also auch keine Option. Dieser Brief aus Helgoland zeige nicht nur die Unsicherheit Heines über seine Zukunft, sondern auch ein Panorama der damaligen entwickelten Welt, wie Werner Rügemer betonte. Seine Anmerkungen zu den politischen Systemen der jeweiligen Länder und die Anmerkungen zu den Eigenheiten der Menschen dort können zum Teil auch auf die heutige Zeit übertragen werden - was Rügemer unter teils großem zustimmendem Gelächter des Publikums leistete.

Rückblick auf Heines kritische Werke


Heine ging 1831 doch nach Frankreich, wo er als Korrespondent der "Augsburger Allgemeinen" arbeitete. Seine Artikel fasste er in dem Buch "Lutetia", dem lateinischen Namen von Paris, zusammen. Aus ihm bestritten Schmidt und Rügemer den zweiten Teil des Abends. Bissige Kommentare zur politischen und besonders zur gesellschaftlichen Situation prägten schließlich Heines Pariser Werke. Auch berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit waren vor seiner Kritik nicht sicher.

Der selbst aus pragmatischen Gründen vom Judentum zum Christentum konvertierte Heine beschreibt mit dem Bankier Rothschild den reichen Juden, der sich religiös gibt, den Gottesdienst mechanisch ablaufen lässt – und selbst zu einer Art religiösen Figur wird. Ebenso zieht der Dichter in seinen Texten über Künstlerkollegen her. Zielscheibe ist besonders der Komponist und Pianist Franz Liszt.
Der "ausgebuffte Organisator" soll mit bezahlten "Miet-Enthusiasten" (Claqueuren) für seinen überwältigenden Erfolg gesorgt haben. Damals, so erläuterte Werner Rügemer sofort, wurde in Paris entschieden, wer berühmt wurde und wer nicht.

Heinrich Heines Spätwerk aus der Pariser "Matratzengruft" kam dann nur noch kurz zur Sprache. Zynische Gedichte sind hier entstanden, als Heine fast vollständig gelähmt ans Bett gefesselt war und sich ausschließlich seiner Phantasie bedienen konnte. Etwas überraschend endete der Vortrag, der insgesamt einen interessanten Einblick in die Querverbindungen zwischen Heines Leben und seinen Werken bot. Die gewünschte Diskussion wollte im Nachgang jedoch nicht zustande kommen.

Vielleicht weil Heines Texte vom Duett einfach zu schnell vorgetragen wurden, um die Zusammenhänge nachvollziehen zu können. Außerdem wäre eine klarere Ankündigung des jeweiligen Werkes oder ein Programm-Heft mit der ausgewählten Literatur, zum späteren Nachlesen hilfreich gewesen.