Headcoach Sasa Obradovic und sein Team

Sasa Obradovic begutachtet sein neues Team beim Spiel.

Er ist der neue Headcoach von RheinEnergie und mit ihm weht ein neuer Wind im Kölner Basketball. Letztes Jahr beendete Sasa Obradovic nach 17 Jahren aktiver Laufbahn seine Profibasketball-Karriere und übernahm mit sofortiger Wirkung Armin Andres Position als Headcoach der Kölner.

Zu den größten sportlichen Erfolgen des gebürtigen Jugoslawen, der 1988 seine Karriere in seinem Heimatort Belgrad begann, zählt der Gewinn der Weltmeisterschaft 1998, sowie die Siege bei den Europameisterschaften 1995, 1997 und 2001 mit der jugoslawischen Nationalmannschaft. Im Jahr 1995 konnte er mit ALBA Berlin den prestigeträchtigen Korac-Cup gewinnen und 1996 wurde er ebenfalls mit ALBA Berlin Deutscher Meister.

Sasa Obradovic war seit der Geburtstunde von RheinEnergie Köln in der Saison 2001/02 dabei und holte in den vier Jahren einen Vizemeistertitel und zwei Pokalsiege nach Köln. Er selber, der stets als Herz und Seele der Kölner Mannschaft betrachtet wurde, kennt die Stärken und Schwächen der Mannschaft genau, weswegen er auch in dieser Saison mit einem ganz neuem Team durchstartete. Auf Grund der Verletzungsreihe, die im letzten Jahr durch die Kölner Reihen ging, sollte ein neues, jüngeres Team aufgestellt werden, denn Langzeitverletzte wie Zoran Kukic, Jörg Lütcke, Janar Talts und Johannes Strasser erschwerten die letzte Saison. Der Besuch von Sasa Obradovic und Sportdirektor Stephan Baeck bei der „NBA Summerleague“ in Las Vegas im letzten Sommer verdeutlichte die Absichten der Neubesetzung des Teams.

Immanuel McElroy

Immanuel McElroy ist einer der einzigen Starspieler, die vom alten Kader übrig geblieben sind. Er weiß am besten, was der neue Headcoach von ihm erwartet und wie die Zukunft aussehen wird, da er selber letztes Jahr noch mit Obradovic auf dem Parkett stand und mit ihm die Playoffs bestritt, bei denen sie im Achtelfinale ausschieden. Neben Obradovic war er einer der wichtigsten Spieler in Köln.

Teamkapitän Aleksandar Nadjfeji

Der erste Neuzugang für das RheinEnergie-Team war Aleksandar Nadjfeji von den Telekom Baskets Bonn. Der 29 jährige Serbe, der sich für zwei Jahre verpflichten ließ, war einer der absoluten Wunschkandidaten von Sasa Obradovic. Nadjfeji ließ sich vom sportlichen Konzept von Obradovic und Baeck überzeugen und lehnte dabei wesentliche lukrativere Angebote anderer Vereine und der BBL ab, nur um für Köln spielen zu können. Der 2.02m große Flügelspieler, der bekannt ist für seine vorbildliche Moral und sein einfaches, aber effektives Spiel, erhielt zu Recht die Rolle des Teamkapitäns. Die zwei Berufungen in die Allstar-Teams 2002/2003 und 2003/2004 bestätigen dabei nur Obradovics Entscheidung.

Bank-Wunschkandidat

Ein anderer Wunschkandidat war Nikola Vucurovic. Der 25-jährige Serbe spielte in der vergangenen Saison in der französischen ProA-Liga. Sasa Obradovic, der dessen Karriere bereits mehrere Jahre verfolgt hat, sieht in ihm eine absolute Verstärkung für das Team, da er neben seinen Stärken als guter Schützer und Kämpfer, durch seine Größe von zwei Metern nicht nur als Guard, sondern auch als Flügelspieler agieren kann.

Der NBA gedrafte Center

Der neue Center Marcin Gotar dagegen hat echte Starqualitäten. Er hat das Glück, einer von wenigen Spielern in der BBL zu sein, die in der NBA gedraftet wurden. Letztes Jahr im Juni wurde der 21-jährige Pole in der zweiten Runde des NBA-Drafts an 57. Stelle von den Phoenix Suns gedraftet. Diese gaben ihre Rechte weiter an die Orlando Magics. Drafts, die in der zweiten Runde getätigt werden, garantieren jedoch keinen Vertrag der NBA-Clubs, was Köln nun zu Gute kommt, da er auf Grund dessen weiterhin für die Rheinländer spielen darf.

Der Aufbau

Mit der Verpflichtung von Darren McLinton und Titus Ivory folgten zwei weitere Neuzugänge, um die Aufbauposition zu verstärken. Titus Ivory, der vom italienischen Zweitligisten Carife Ferrara Verein nach Köln kam, begann seine Laufbahn auf der Highschool in seinem Heimatstaat North Carolina. Vier Jahre spielte er in Italien, dort entwickelte sich der 29-jährige Guard zu einem exzellenten Schützen von außen und zu einem ausgezeichneten Verteidiger. Sportdirektor Stephan Baeck sieht ihn als eine enorme Verstärkung in der Defense. Aber auch seine Qualitäten als hervorragender Teamspieler versichertem dem Sportdirektor, dass er sich gut in das neue Team integrieren würde.

Michael Jordan macht es Ex-Teamkollegen sichtlich schwer vorbei zu kommen

Das Point Guard Duell

Mit der Verpflichtung von Point Guard Darren McLinton erhoffte man sich durch seine Euroleague-Teilnahme mehr Erfahrung in das junge Team der Kölner zu bringen.

Mit seiner Stärke als Distanzschütze und der Fähigkeit, ein Team zu führen, sollte der 31- jährige Aufbauspieler den anderen die Richtung weisen. Zwei Monaten nach Saisoneröffnung trennte man sich jedoch wieder von Darren McLinton. Laut Sportdirektor Stephan Baeck würden andere Impulse von der Aufbauposition gebraucht werden. Diese Erwartungen soll nun Michael Hakim Jordan erfüllen, der im Dezember vom

lettischen Club BK Ventspils geholt wurde. Der 28-jährige Aufbauspieler, der letzten Oktober aus disziplinarischen Gründen von den Artland Dragons aus Quakenbrück entlassen wurde, begann seine Basketballkarriere auf an der Pennsylvania State University in den USA. Danach spielte er in verschiedenen Ligen der Welt wie Frankreich, Spanien, Venezuela, Deutschland (Artland Dragons) und zuletzt Lettland.

Das sechste Ass im Ärmel

Obradovic hätte mit Gotar, Ivory, Vucurovic, Nadjfeji, McElroy und Jordan bereits ein sehr starkes Team, das jedem gegnerischen BBL-Club Schwierigkeiten bereiten würde, doch damit ist es noch lange nicht genug. Obradovic hat mit dem neuem Team Großes vor und so verpflichtete er mit Ademola Okulaja einen der wirklichen deutschen Basketball-Größen. „The Warrior“, wie er von den Fans und in den Medien genannt wird, trägt seinen Namen zu Recht. Er gehört zu den Elite-Spielern auf der Flügelposition in Europa und ist neben Dirk Nowitzki der beste Spieler in der deutschen Nationalmannschaft. Über ihn gehen die Angriffe, wenn Nowitzki nicht auf dem Feld steht.

Starke Defensivleistung von Ademola Okulaja

The Warrior

Ademola Okulaja, der 1975 in Nigeria geboren wurde und mit drei Jahren nach Deutschland kam, träumte immer davon in der NBA zu spielen. Er schaffte es sogar, für die renommierte Universität von North Carolina zu spielen, wo zuvor schon Basketball-Legende Michael „Air“ Jordan die Kunst des Basketballs erlernte. Dort hatte er die Möglichkeit mit den heutigen NBA-Stars Vince Carter und Antwan Jamison ein schlagkräftiges Trio zu bilden. Doch obwohl er in der Saison 1999 zum Anführer und Vorzeigespieler seiner Uni-Mannschaft „Tar Heels“ gekürt wurde und nach einem Karriere-Jahr in

das „First Team“ der AAC (All-Atlantic Coast) gewählt wurde, blieb der lang ersehnte Erfolg in der NBA aus. NBA-Scouts sahen in Okulaja mit seiner Größe von 2,06 Meter auf der Forwardposition immer den „Tweener“: Zu klein für die Position des Power Forwards, zu langsam für einen Small Forward.

Aus diesem Grund setzte er seine Karriere in Europa fort. Die letzte Saison spielte Okulaja bei Pamesa Valencia, konnte diese aber nur zur Hälfte bestreiten, da er sich eine Knie-Verletzung zuzog. Nach einer fast einjährigen Pause steht er nun für RheinEnergie Köln auf dem Platz.

Die Theorie

Sollte Okulaja wieder voll genesen sein, wird er die derzeit offene Position des Flügelspielers annehmen und die Starting-Five der Kölner vervollständigen, die dann lauten würde: Michael Jordan und Titus Ivory als Aufbauspieler, Aleksandar Nadjfeji und Ademola Okulaja als Flügelspieler und auf der Center-Position Marcin Gotar. Doch auch die Bank der Rheinländer, die talentierte Spieler wie Johannes Strasser, Janar Talts, Nikola Vucurovic und Immanuel McElroy vorweißt, sollte man nicht unterschätzen.

Die Kölner Spieler bedanken sich für die starke Unterstützung der Fans.

Die Praxis

Das Ziel, ein junges, ambitioniertes und schlagkräftiges Team zu formen, ist damit gelungen. Das bewies auch das Spiel vom letzten Samstag gegen die Artland Dargons aus Quakenbrück. Zum ersten Mal konnte das vollständige Team auf dem Parkett zusammen spielen. Es war der Abend von RheinEnergie Köln. Im erstmals ausverkauften EnergyDome, wurden die Wiederkehr des Warriors und das Spiel von Michael Hakim Jordan gegen seinen Ex-Club zelebriert. Die 3200 Zuschauer ließen die Halle beben.

Die Artland Dragons, die von den mitgereisten 400 Fans unterstützt wurden, versuchten, dem kräftigen

Offensivspiel der RheinEnergie entgegen zu halten. Doch die Kölner spielten taktisch sehr gut und agierten schnell in der Defensive. Bereits in den ersten Minuten setzte sich Köln mit einem 15:5 ab. Kurz vor Ende der Halbzeit wurde Ademola Okulaja eingesetzt, der mit stürmischem Beifall gefeiert wurde. Die Halbzeit endete mit 41:35. Die Kölner setzten ihr Tempo in der zweiten Hälfte fort und die Artland Dragons hatten große Mühe, nicht noch weiter zurück zu fallen. Zwischenzeitlich rückten sie auf drei Punkte näher, aber die Kölner waren zu stark, was auch der Reboundstärke der Rheinländer zu verdanken war. Das Spiel endete 80:64. Bester Mann auf dem Parket waren ohne Zweifel Michael Jordan mit 19 Punkten und Immanuel McElroy ebenfalls mit 19. Mit seinem besten Spiel im Kölner Trikot hat sich Jordan, wie von Geschäftsführer Walter Pütz vorhergesagt, endgültig in kürzester Zeit in die Herzen der Kölner Fans gespielt. Doch Jordan bedankte sich auch bei seinen alten Fans und drehte eine Ehrenrunde über der Fankurve von Quakenbrück. Am Ende zog Kölns Headcoach Sasa Obradovic Bilanz: "Das war eines unserer besten Spiele dieser Saison."

 

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