RheinEnergie Köln – Ein Verein mit Tradition

Der traditionsreiche Kölner Basketball-Verein hatte seine erfolgreichste Zeit in den 80er Jahren. Seit wenigen Jahren hat sich der Verein nach zahlreichen Namensänderungen wieder in der BBL etabliert und sich als Ziel gesteckt, an seine glorreichen Zeiten anzuknüpfen. Auch falls die heutigen Spieler in die Fußstapfen der ehemaligen Stars um Klaus Zander und Bernd Steffen schlüpfen sollten, ist im heutigen Basketballumfeld nichts mehr so, wie es bei den Freunden vom ehemaligen ASV Köln einmal war.

Die Cheerleaders von RheinEnergie Köln und das Maskottchen

Der EnergyDome ist gefüllt bis zum letzten Platz. Die Cheerleaders von RheinEnergie Köln stehen Pompons wedelnd am Eingang. Der Stadionsprecher Amiaz kündigt, wie Ringsprecher Michael Buffer bei seinen berühmten Boxansagen, "the Warrior" Ademola Okulaja sowie Michael Jordan an. In Nebel gehüllt stürmen die Spieler des Basketball-Teams zu der Chicago-Bulls-Hymne in die Halle. Heutiger Gegner des Bundesligisten sind die Artland Dragons aus Quakenbrück. Mit drei Bussen sind sie angereist, um dem Kölner Fanblock im EnergyDome Paroli zu bieten und nebenbei ihren ehemaligen Liebling Michael Jordan im neuen Kölner Dress auszupfeiffen. „Zu unseren Spielen sind die Fans noch im Mannschaftsbus mitgefahren. Das wäre heute undenkbar“, erinnert sich Bernd Steffen. Der ehemalige Kölner Flügelspieler ging noch im Dress des ASV Köln und Saturn Köln auf Punktejagd und errang einen Pokalsieg 1980 sowie zwei Deutsche Meisterschaften in den Jahren 1981 und 1982.

Wechsel von ASV zu BSC Saturn Köln

Die Geschichte der heutigen Mannschaft von RheinEnergie Köln ist ein ständiger Wechsel zwischen Meistertiteln und finanziellen Krisen. 1975 hieß der Verein noch ASV Köln und stieg in die Basketball-Bundesliga auf. Die Highlights waren damals die Spiele gegen Leverkusen, Göttingen und Giessen, zu denen bis zu 1.500 Zuschauer in die alte ASV-Halle in der Nähe des heutigen RheinEnergieStadions kamen.

Mitte des Jahres 1977 plante der eigentlich auf Leichtathletik spezialisierte ASV aus finanziellen Gründen die Auflösung des Teams. Doch über die Aktion „Helft den ASV-Kölner-Basketballern“ in den großen Kölner Tageszeitungen versuchte man das Team zu retten. Ganz und gar nicht nach dem heutigen Motto „Geiz ist geil“ stieg Fritz Waffenschmidt, ehemaliger Inhaber des Elektronik-Konzerns Saturn, in das Sponsoring der Basketballer ein und so wurde aus dem ASV Köln schließlich Saturn Köln, in den alle Spieler des ASV wechselten. Waffenschmidt engagierte sich mit 150.000 DM und ermöglichte so den Kölnern den Verbleib in der Liga mit einer guten sportlichen Perspektive.

Gute Sponsoren sind heute Voraussetzung für eine erfolgreiche Mannschaft

Kameradschaft das höchste Gut

Das Sponsoring durch Waffenschmidt war für Köln die letzte Rettung, persönlich war das Geld für die Spieler jedoch nicht der entscheidende Faktor. “Geld spielte bei uns so gut wie keine Rolle. Wir bekamen als Aufwandsentschädigung 300 bis 800 Mark. Bei uns hatte das Studium Vorrang und selbst auf ein Europapokalspiel wurde verzichtet, wenn in der Uni eine Klausur anstand“, berichtet Steffen. Das war auch der Grund, wieso die Kölner international gegen Top-Teams aus Israel, Spanien und Jugoslawien nicht bestehen konnten. „Wir konnten mit zwei Stunden Basketball-Training pro Tag nicht mit Teams konkurrieren, die den Sport profihaft ausüben und fünf bis sechs Stunden am Tag trainieren“, erzählt der 1,96 Meter große Ex-Bundesliga-Spieler.

Den Schlüssel zum Erfolg von Saturn sieht Steffen in einem entscheidenden Punkt : der Freundschaft. Aushängeschild Klaus Zander wechselte trotz lukrativer Angebote nicht den Verein und die Freundschaft untereinander ließ die Mannschaft zusammenwachsen und zu einem eingespielten Team reifen. Auch außerhalb der Halle waren die Spieler ein „Dream Team“ und fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub.


Die glorreichen 80er

Mit den 80er Jahren begann der richtige Aufstieg von Saturn. Der Etat wurde erhöht und Spieler wie der US-erfahrene Michael Pappert und John Neumann sowie Klaus Zander führten die Kölner zum Pokalsieg 1980 über den bis dahin von Köln nie bezwungenen MTV Giessen. Ein Double mit Pokalsieg sowie Meisterschaft 1981 und eine weitere Meisterschaft 1982 folgten. Als Siegprämie winkte nicht das große Geld, sondern eine Woche Gran Canaria im Fünf-Sterne-Hotel mit Erdbeeren und Sahne“, so Steffen.

Trotz Steigerung der Trainingseinheiten und des Etats lief Saturn die nächsten Jahre einem weiteren Titel hinterher. Das änderte sich erst mit der Verpflichtung von Trainer Tony Di Leo, der es auch bei den mittlerweile gut bezahlten Spielern geschafft hatte, eine für den Titelkampf entscheidende Atmosphäre von Ehrgeiz und Freundschaft zu schaffen. Und so holte das Team um Di Leo 1987 und 1988 die Meisterschale wieder nach Köln. Waffenschmidt hatte 1984 den Saturn-Konzern verkauft, jedoch ein weiteres Sponsoring bis 1989 gewährleistet. Da die Liga im Laufe der Jahre immer professioneller wurde und die Kosten für die Mannschaft mittlerweile bei 1,5 Millionen DM angekommen waren, stieg Saturn 1989 aus dem Basketball-Sponsoring aus und entzog somit dem Verein die Grundlage zum weiteren Bestehen in der Bundesliga. Es wurde zwar mit dem türkischen Traditionsclub Galatasaray Istanbul ein neuer Sponsor gefunden, doch schon nach wenigen Monaten wurden dem von Saturn in Galatasaray Köln unbenannten Club aufgrund zu geringen Zuschauerinteresses die Zahlungen aus Istanbul verweigert. Für die Kölner bedeutete das das Ende und man zog die Mannschaft aus der BBL zurück und verschwand für einige Jahre aus dem Profibereich.

Trainer Obradovic ist mitverantwortlich für den Aufschwung bei RheinEnergie (Foto: Abrajano)

Der Neuaufbau

Durch den Bau der Kölnarena witterten neue Sponsoren ihr Geschäft und so gelang es Stephan Baeck, früher selbst erfolgreicher Basketballer und heute sportlicher Leiter von RheinEnergie, die Mannschaft unter dem Namen Cologne 99ers wieder zurück in die Bundesliga zu führen. Dabei wurde den Kölnern, einzigartig in der Geschichte des deutschen Basketballs, eine Wildcard durch Vertreter der Bundesliga Vereine erteilt und somit der Sprung von der Regionalliga direkt in die Bundesliga ermöglicht, ohne die zweite Liga zu durchlaufen. Angekommen in der Bundesliga wurde aus den Cologne 99ers RheinEnergy Cologne und im Jahr 2003 schließlich RheinEnergie Köln. Unter diesem Namen versuchen sie auch heute noch, ihre Gegner zu bezwingen. Die aktuelle Mannschaft ist ein bunter Mix von Stars aus verschiedenen Nationen, wie dem Esten Janar Talts oder dem US-Amerikaner Immanuel McElroy. Das Team wird vom ehemaligen Kölner Spieler und jugoslawischen Europameister Sasa Obradovic gecoacht. Trotz diesjähriger Etatkürzung steht RheinEnergie eine schlagkräftige Mannschaft für die nächste Zeit zur Verfügung und einzig ALBA Berlin mit seinen vielen Nationalspielern spielt leistungsmäßig noch in einer anderen „Liga“.

Seit Ende September

Die Spieler von Quakenbrück wurden heute schließlich souverän mit 80:64 bezwungen und Point Guard Michael Jordan lieferte dabei ein herausragendes Spiel. Während der Energy-Man mit Saltos und Flickflacks das Publikum im EnergyDome begeistert, steht Bernd Steffen seit 1985 nicht mehr im Rampenlicht von großen Basketballspielen. Doch zusammen mit Klaus Zander und fünf anderen „Oldies“ der Saturn-Mannschaft spielt er heute noch in der Bezirksliga des DJK Köln, und auch dort wird noch um jeden Korb gefightet.

 

von Carsten Müller

 

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