

StudiVZ, facebook oder lokalisten - Social Communities haben eine immer größer werdende Anzahl von Usern. Damit steigt auch die Zahl der privaten Informationen, die die User preisgeben. Doch was geschieht mit diesen Daten und welche Gefahren lauern bei der bereitwilligen Herausgabe?
Unter dem Motto „Social Communities – vom Wert der Daten“ trafen sich am Mittwoch, 11. Juni 2008, Verantwortliche der Communities und des Bereiches Datenschutz zu einer Diskussionsrunde im Rahmen des Medienforums NRW in den Kölner Messehallen.
Den Anfang machte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum. In seiner kurzen Einführungsrede beschrieb der 75-jährige eine jüngst erkennbare Überwachungstendenz in Deutschland. Diese reiche von staatlicher Seite mit der Vorratsdatenspeicherung bis zur privaten Seite mit den aktuellen Berichten über Bespitzelungen bei der Telekom und Lidl.
Im Gegensatz dazu würden die Menschen im Web eher freiwillig ihre Privatsphäre offenlegen. Die Risiken, die mit dieser „Entblößung im Web“ zusammenhingen, würden die User jedoch mehrheitlich nicht kennen, so Baum.
In der danach eröffneten Runde relativierte der Mitgründer von lokalisten.de, Peter Wehner, sogleich die Gefahren der Datenveröffentlichung auf seiner Site. Auf die Frage des Moderators Wolfgang Blau wie sein Unternehmen Geld verdiene, verwies Wehner auf die geschaltete Werbung. Zudem würden die privaten Daten nur für „targeted advertising“ – also personen- und interessenspezifizierte Werbung – benutzt und nach Löschung eines Accounts vollständig gelöscht.
Weniger harmlos sieht dies der Vorsitzende vom Datenschutz-Verein FoeBud aus Bielefeld. Der nur unter seinem Nickname „padeluun“ auftretende Mann bezeichnete die riesige Datensammlung bei den Social Communities als „Fundus für reiche Unternehmen“ wie den Holtzbrinck-Verlag, der studiVZ 2007 aufkaufte. Diese Unternehmen wären laut padeluun so in der Lage, ihre Werbung immer manipulativer zu gestalten. Beispielsweise könne dies durch Beeinflussung von sogenannten Opinion-Leadern in den Communities geschehen.
Wiederum Baum spielte mit seiner Aussage, dass das Internet nichts vergesse, die Auswirkungen an, die Äußerungen oder Fotos im Web auch für die Zukunft haben könnten. Gerade vermeintliche Arbeitgeber würden vermehrt auf solchen Ebenen versuchen, Informationen über einen Bewerber zu bekommen. Dabei gelte es, das Bewusstsein des Users zu schärfen und einen „mündigen User“ zu schaffen.
Der Gründer des Internetportals sevenload.de, Ibrahim Evsan, sieht dort ebenfalls Handlungsbedarf. So überraschte es ihn selbst, was Nutzer alles auf seinem Portal veröffentlichen. Die Verantwortung für eine Aufklärung des Users sieht Evsan allerdings nicht bei den Datenbesitzern, also den Betreibern der Communities, sondern bei den Ländern. So forderte er, schon in der Schule Kinder und Jugendliche bewusst mit den Gefahren des Webs zu konfrontieren. „Im Moment“, so Evsan, „wissen die meisten Lehrer doch gar nicht was man im Web alles machen kann.“
Ein Bericht von Benjamin Sehring
Fachhochschule Köln – Institut für Informationswissenschaft
Lehrveranstaltung: "Redaktionelle Praxis", SoSe 2008
Studiengang: Online-Redakteur (Bachelor of Arts)
Redaktion: Benjamin Sehring, Carolin Voss, Nicolai Helling, Daniel Schlicht, Jan-Philipp Kempf, Marcelo Jaramillo Cox, Inga Laas, Luis Palma-Matos, Dominik Weber, Kathrin Köchner, Prof. Dr. Konrad Scherfer
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