

PR-Arbeit ist OK, reine Werbung aber nicht!
Jedem sollte klar sein, dass große Medienkongresse von großen Firmen unterstützt werden. Dass aber in einem Panel des Medienforums NRW in den Vorträgen selbst die „Innovationen“ von Firmen aus der Branche explizit in den Vordergrund treten, darauf wäre wirklich keiner gekommen!! Das Publikum des Vortrags „Interaktionsgestaltung im Web 2.0“ hat mit Sicherheit etwas anderes erwartet als eine übertriebene PR-Arbeit von der Deutschen Telekom und von Microsoft. Der Moderator Robert Basic hatte von Beginn an vergeblich versucht, eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Die Veranstaltung wirkte allerdings ständig improvisiert und unvorbereitet.
Dass Vortragende zu Pioniererfirmen wie Microsoft und der Deutschen Telekom gehörten, störte im Grundsatz nicht. Wer will sich aber zwanzigminütige Präsentationen von Techniken und Leistungen anhören, die schon auf dem Markt gut bekannt sind? Nur mit dem Unterschied, dass es sich dabei um ein Produkt handelte, das alle zusammenfasst: Das Media Center von der Deutschen Telekom. Es hätte tatsächlich besser anfangen können.
Nach diesem Werbevortrag holte man auch kurz die Meinung von kleineren Unternehmen ein. Zum Beispiel wurde Prof. Hansjörg Zimmermann eingeladen, Geschäftsführer bei „Das goldene Vlies, Studio für Markenbeziehungen“. Nach nur einer kurzen Äußerung über Interaktiongestaltung im Web 2.0 und seiner (unnötigen) Erklärung, warum seine Firma wie der griechische Mythos heißt, kam der „Höhepunkt“ der Veranstaltung: Die Präsentation von „Surface“, dem neuen Produkt von Microsoft. Das Publikum traute seinen Augen nicht: Anhand eines minderwertigen Videos, nach dem man, statt vorbereitet zu sein, erst in Youtube schnell suchen musste, wurde das aktuelle Lieblings-Produkt von Microsoft vorgestellt. Und das im Rahmen einer Veranstaltung von einer Bedeutung wie dem Medienforum NRW.
„Ich weiß nicht was ihr denkt, aber für mich, für mich ist das wirklich Interaktivität!“, sagte Robert Basic. Jeder hätte solche abschließende Wörter von dem Microsoft-Vertreter erwartet, aber doch nicht von dem Moderator des Panels! Nach diesem Satz musste ich sofort den Raum verlassen: Das Verlangen, von meinem aktuellen Telefon-Anbieter zur Telekom zu wechseln und einen Microsoft-Computer zu kaufen, war nach ca. vierzig Minuten einfach zu groß.
Ein Kommentar von Marcelo J. Cox
Fachhochschule Köln – Institut für Informationswissenschaft
Lehrveranstaltung: "Redaktionelle Praxis", SoSe 2008
Studiengang: Online-Redakteur (Bachelor of Arts)
Redaktion: Benjamin Sehring, Carolin Voss, Nicolai Helling, Daniel Schlicht, Jan-Philipp Kempf, Marcelo Jaramillo Cox, Inga Laas, Luis Palma-Matos, Dominik Weber, Kathrin Köchner, Prof. Dr. Konrad Scherfer
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