
Petra Werner ist Professorin für Journalistik und zur Zeit Leiterin des Studiengangs Online-Redakteur. Außerdem berät sie Interessenten des Studiengangs.

Was sagen Sie einem Studieninteressierten der fragt: "Ich kann mir darunter gar nichts vorstellen, was genau bedeutet denn Online-Redakteur?"
Ich würde sagen, dass wir hier Leute ausbilden, die nicht nur im journalistischen Bereich, sondern durchaus auch in anderen Wirtschaftszweigen in Online-Redaktionen arbeiten können, deswegen heisst der Studiengang Online-Redakteur und nicht Online-Journalist. Es gibt große Bereiche im Studium, wie Grundlagen von Design, journalistische Kenntnisse und technische Umsetzung.Ausserdem haben wir aber auch dafür das Vorpraktikum eingeführt, dass sich die Leute ein Bild von dem Beruf machen können, bevor sie hier studieren.
Was sind denn die häufigsten Fragen, die auftauchen?
Der Beratungsbedarf steigt natürlich bei einer so komplizierten Geschichte wie dem jetzt eingeführten Vorpraktikum, das sind dann auch die häufigsten Fragen, die auftauchen. Und vor allen Dingen ist der Beratungsbedarf natürlich bei denen besonders hoch, die sich irgendetwas als Ersatzleistung anerkennen lassen wollen für ein Vorpraktikum. Häufiger kommen Fragen, ob man mal irgendwo reinschnuppern könnte, einfach mal eine Vorlesung besuchen. Solche Geschichten finde ich persönlich immer schwierig, weil ich denke, die Leute kriegen ja nur einen relativ schmalen Ausschnitt von dem zu Gesicht, was wir hier machen. Deswegen bin ich in solchen Fällen eher dafür, in einem persönlichen Gespräch mit einem Dozenten Näheres über den Studiengang zu erfahren. Damit will ich nicht sagen, dass reinschnuppern nicht möglich ist, aber ich halte es für keine glückliche Art und Weise, sich ein tieferes Bild von einem Studiengang zu erarbeiten.
Wer ist der ideale Student?
Der ideale Student ist der, der eine gewisse Neigung mitbringt zum Umgang mit Sprache. Täglich, auch schnell und auch unter Druck. Das heißt also, Leute, die sagen "ich drücke mich gerne aus", die sind hier nicht fehl am Platze.Zweitens sollten die Leute eine Affinität zum Computer haben. Der Wunsch, sein Berufsleben weitgehend mit einem Computer zu verbringen, muss schon da sein. Es ist ja nicht so, dass man schon alles können muss, wenn man hier anfängt. Drittens sollte die Bereitschaft da sein, sich nicht nur um die praktischen Seiten des Berufes zu kümmern, sondern sich auch für die Hintergründe, für die theoretischen Zusammenhänge des Berufsfeldes, auf dem man sich da bewegen will, zu interessieren. Es gibt hier eine ganze Menge Leute, die in einem Bereich richtig gut sind. Bei denen stellt man aber auch immer wieder fest, dass sie die Grundkompetenz haben, sich auch in die anderen Bereiche, die uns hier wichtig sind, reinzuarbeiten und reinzufinden.
Es gab ja schon einige Studienabbrecher, obwohl das ja ein kleiner Studiengang mit sehr persönlicher Betreuung ist. Woran lag das Ihrer Meinung nach?
Es gab Studienabbrecher, aber die Zahl der Abbrecher ist ja relativ überschaubar.
Ich würde mal drei Aspekte nennen: Der eine Aspekt ist, es gibt in jedem Studiengang, egal wie klein, egal wie transparent, egal wie gut aufgestellt, eigentlich immer Abbrecher, weil es ja immer Leute gibt, die aus persönlichen Gründen abbrechen. Dann gibt es zweitens einen Bereich von Leuten, die sprachliche Probleme haben. Zwar müssen ausländische Studienbewerber einen Sprachtest ablegen, aber das Ergebnis dieses Tests ist eben nicht immer aussagekräftig. Wir bemühen uns, in eine höhere Anforderungsstufe des Sprachtests eingestuft zu werden, dann würde sich auch dieses Problem minimieren. Der dritte Punkt ist, dass es teilweise Leute gibt, die relativ spät das Studium noch abbrechen. Dazu haben wir allerdings noch keine großen Erfahrungswerte, denn wir haben ja jetzt erst den ersten Jahrgang im sechsten Semester. Offensichtlich haben diese Studenten relativ spät erkannt, dass die Arbeitspraxis nichts für sie ist. Denn sie lernen die Berufspraxis erst im Projektsemester, also im fünften Semester, kennen. Das ist dann eigentlich zu spät. Um dem vorzubeugen, haben wir ja jetzt das Instrument des Vorpraktikums eingeführt. Insofern würde ich denken, dass wir in allen Bereichen, wenn wir ein Defizit erkannt haben, auch darauf reagiert haben.
Gibt es denn auch ein Problem mit falschen Erwartungen?
Klar, das gibt es auch, dass Leute nach ein oder zwei Semestern merken, "war mir gar nicht klar, dass wir so viel mit Sprache machen müssen".Wir bemühen uns schon darum, uns abzusetzen von Webdesign, Kommunikationsdesign oder auch Medientechnik beispielsweise. Manchen ist das aber doch nicht so klar. Genauso wie manchen, die eher mit dem journalistischen Interesse kommen, die technische Komponente zu viel ist. Wir bemühen uns, sowohl über die Informationen, die wir rausgeben, also beispielsweise über die Website, als auch in den Gesprächen, die wir führen, jeweils klar zu machen, dass all diese Bereiche wirklich wichtig sind und alle diese Bereiche auch im Studium vorkommen. Man kann natürlich alles immer ein bisschen ausgleichen, aber nicht so weit, dass man sagt, dieser ganze Sprachkram, das will ich gar nicht machen, ich konzentriere mich auf das Gestalterische. Dann sind die Leute wirklich im falschen Studiengang.
Könnte man da mit einem anderen Zulassungsverfahren was machen, dass man die Leute zum Beispiel in einem persönlichen Auswahlverfahren auswählt?
Eignungstests oder Eignungsgespräche oder eine Kombination daraus sind ja erst seit ganz kurzer Zeit möglich. Früher konnten Sie das nur machen, wenn Sie als künstlerischer Studiengang anerkannt waren. Für alle anderen Studiengänge geht das jetzt erst in die Umsetzungsphase. So eine persönliche Auswahl der Bewerber ist eine extrem aufwändige Angelegenheit, besonders bei einem so breit angelegten Studiengang wie diesem. Bei dem schmalen Personal, das wir haben, würde ich immer denken, dass sich Kosten und Nutzen da nicht die Waage halten. Untersuchungen zu diesem Thema haben immer wieder dasselbe Ergebnis, nämlich dass die Abiturnote ein relativ guter Prädiktor für Studienerfolg ist. Gerade in Fächern, die im weitesten Sinne auf der geisteswissenschaftlichen Ebene anzusiedeln sind, kann man ganz gut mit der Note der Hochschulreife arbeiten. Letztlich würde ich sagen, es ist unter Umständen möglich, dass man mit einem Auswahlverfahren weiter käme als mit dem jetzigen Verfahren, aber ich würde gleichzeitig auch denken, dass ein Teil dessen auch durch das Vorpraktikum aufgefangen werden kann. Ich erhoffe mir davon einiges, weil ich denke, am allerbesten kann man die Eignung tatsächlich in der beruflichen Praxis feststellen. Wer es geschafft hat, sich einen Praktikumsplatz zu besorgen und dort sechs Wochen lang immer aufzutauchen und so mitzuarbeiten, dass der Redaktionsleiter nicht am Ende von sich aus sagt "Ich glaube du bist nicht geeignet für den Job!", von dem denken wir, dass der hier auch eine Chance bekommen soll.