Mikrofon
 

Helmut Volpers im Interview

Helmut Volpers ist Professor für Web- und Medienwissenschaft und einer der Gründungsväter des Studiengangs Online-Redakteur.

Auf Ihr Engagement geht die Konzeption unseres Studiengangs zurück. Welche Intention haben Sie mit dieser Idee verfolgt, warum war dieses neue Fach aus Ihrer Sicht erforderlich?

Das Institut, an dem unser Studiengang angesiedelt ist, wollte moderner werden. Es gab bis dahin keinen echten Medien-Studiengang. Ich war zu diesem Zeitpunkt der einzige Kommunikationswissenschaftler hier im Hause und habe mir vor diesem Hintergrund überlegt, wo man in diesem Bereich etwas Zukunftsträchtiges entwickeln kann, und wo es ein Alleinstellungsmerkmal gibt. Ich habe dann den „Markt“ erkundet und nach einigen Reflexionsschleifen bin ich dann auf die Idee mit dem Online-Redakteur gekommen.

Insbesondere viele praktische Lehrveranstaltungen werden von externen Lehrbeauftragten unterrichtet. Warum ist dieses externe Know-how so wichtig für den Studiengang?

Das erklärt sich ja eigentlich von selbst. Der Wandel in der Praxis geht mittlerweile dermaßen schnell, dass ein Hochschullehrer nicht mehr ständig up-to-date sein kann in praktischen Fragen. Daher holen wir uns sinnvollerweise Leute, die in der Praxis stehen.

Auf welchem Wege finden Sie passende Fachleute, und wie stellen Sie im Vorfeld deren ausreichende fachliche und didaktische Kompetenz sicher?

Das machen wir uns in der Regel nicht leicht. Wir Professoren können auf eine solide Basis von Netzwerken zurückgreifen, das heißt, wir haben gute Verbindungen in die Praxis. In intensiven Gespräche versuchen wir dann ausloten, was diese Leute fachlich können. Der schwierigste Teil ist herauszufinden, welche didaktischen Fähigkeiten sie besitzen. Wir haben sowohl schon Leute nicht genommen, von denen wir inhaltlich nicht überzeugt waren, als auch Lehrbeauftragte nicht mehr weiter beschäftigt, weil wir aus der Studentenschaft teilweise Beschwerden über deren didaktische Fähigkeiten bekommen haben.

Oft hört man dieser Tage, dass ein Bachelor-Abschluss nicht viel wert sei, weil Personalchefs damit nichts anzufangen wissen. „Online-Redakteur“ gab es jedoch nie als Diplom-Studiengang. Inwiefern denken Sie, dass diese Zweifel im Hinblick auf unsere Berufsaussichten berechtigt sind?

Das ist völlig unberechtigt. Der Markt braucht Leute mit dieser Ausbildung, und da ist es erstmal ziemlich egal, welcher Titel das ist. Außerdem bin ich der Meinung, dass sich die Ignoranz oder Ablehnung gegenüber den Bachelor-Abschlüssen in Zukunft ganz schnell legen wird, ganz einfach, weil es keine anderen Absolventen mehr geben wird.

Außerdem kann der Studiengang ja auf große Erfolge verweisen: Wir haben jetzt zweimal hintereinander eine sehr gute Position beim CHE-Ranking  erreicht. Außerdem muss man feststellen, dass wir exzellente Ergebnisse nicht nur bei den Absolventen selbst, sondern auch in den Arbeitsergebnissen vorzuweisen haben. Die Arbeiten aus der Fotografie-Veranstaltung haben einen Kunstpreis gewonnen, und viele unserer Projektwebsites werden auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen z.B. unsere Böll-Seite. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Das fünfte Semester ist Praktikumszeit, warum sind Praktika so wichtig, dass ihnen ein ganzes Semester gewidmet wird? Warum wird nicht in der vorlesungsfreien Zeit "geschnuppert"?

Es ist ja kein komplettes Semester. Das Praktikum ist eingebettet in begleitende Veranstaltungen. Ursprünglich sollte es ein komplettes Semester sein. Dann wäre aber der Studiengang sieben Semester lang gewesen. Das wiederum hätte Probleme mit der Anschlussfähigkeit des Masterstudiengangs hervorgebracht und auch im Gesamtablauf. So wie wir das jetzt machen, kommen beide Seiten zu ihrem Recht. Das Praktikum ist nach aller Erfahrung für die Studierenden extrem wichtig. Es gewährt einen etwas tieferen Einblick in die Praxis.

Was denken Sie über die ausländischen Studierenden, die Deutsch nicht als Muttersprache haben? Denken Sie, diese haben trotzdem das Zeug, gute Online-Redakteure zu werden?

Das Problem kann man nur im Einzelfall betrachten, nämlich nach dem Grad der Fähigkeiten - der ist ja höchst unterschiedlich. Es gibt Kommilitonen und Kommilitoninnen, die in kurzer Zeit sehr gut deutsch beherrschen, und es gibt einige wenige, die in diesem Studiengang Probleme haben. Dennoch muss man auch differenzieren, was die Studenten später machen werden:  Entweder gehen sie zurück in ihr Heimatland, dann sind sie natürlich hoch qualifiziert, weil es solche Studiengänge in anderen Ländern gar nicht gibt. Oder sie bleiben hier und arbeiten bei einer deutschen Online-Redaktion. Wir haben sogar herausragende ausländische Studierende, die Preise bekommen haben.

Ist ein guter Notendurchschnitt für die Zulassung zu diesem Studiengang ausreichend? Finden Sie nicht, eine Aufnahmeprüfung oder ein Sprachtest würden die "Talente" besser identifizieren?

Eine Sprachprüfung alleine geht nicht, dann muss es ein kompletter Test sein. Es gibt aber leider nicht die Kombination „Note plus Test“. Das wäre das Optimum. Wenn man Tausend Bewerbungen hat oder auch nur 350, dann müssen alle 350 in einem ziemlich aufwendigen Verfahren geprüft werden. Das ist mit unseren Kapazitäten nicht durchführbar. So ein Test ist auch keine Garantie für die Bestenauslese; wie gut müßte der Test jedoch sein um das zu leisten? Möglicherweise entwickeln sich die Leute, die den Test nicht geschafft hätten, trotzdem positiv. Wir haben nicht die Erfahrung, wie so ein Test im Vergleich zu einem Notendurchschnitt abschneidet. Interessant wäre es allerdings.

In der Einführungsveranstaltung haben Sie zu den Erstsemestern gesagt, Sie würden ganz schnell erkennen wer hier nur zum Spaß ist und es nicht ernst meint. Sie haben angekündigt, sich solche Studenten besonders vorzunehmen. Machen Sie sich Sorgen, dass ein Studienplatz missbraucht werden könnte?

Es gibt den einen oder anderen, wo wir uns als Kollegen alle einig sind, dass derjenige am besten nicht mehr weiter studieren sollte. Ständiges Nichterfüllen der Leistungen ist ein Kriterium dafür. Wir haben auch einige Studenten, von denen wir ganz genau wissen, dass sie nur immatrikuliert sind, um den Status als Student zu behalten. Wir können nichts gegen den Missbrauch des Studienplatzes machen. Sehr selten haben wir auch Studierende, die nicht nur des Studiums wegen hier sind, sondern wegen der Aufenthaltsgenehmigung. Das sind aber extreme Einzelfälle. Aber auch dagegen können wir nichts tun.

Sie betreuen das Medizin-Ressort. Sie haben den Studenten gesagt, wer dieses Ressort wählt, hat den Job schon in der Tasche. Warum ist das im Bereich Medizin so und bei anderen Ressorts nicht?

Die Marktlage ist bei den anderen Ressorts ganz anders. Im Medizinbereich ist es einfach so, dass es eine große Nachfrage nach einer Doppelqualifikation gibt: medizinisches Hintergrundwissen und online-redaktionelle Fähigkeiten. In dieser Kombination werden Leute gesucht ohne Ende. Grundsätzlich haben aber alle, die das Studium absolvieren, große Berufschancen, aber diejenigen in der Kombination mit Medizin sind noch ein bisschen besser dran.

Interview: Natalia Zimmermann und Claus P.