
Unbezahlte Praktika können auch bereichern
von Sarah-Simone Roth
Bei Medien-Studiengängen ist es üblich, dass vor und während des Studiums Praktika absolviert werden, damit sich die Studenten schon früh ein konkretes Bild vom angestrebten Beruf machen und erste Kontakte knüpfen können. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Praktikant aber unter Umständen noch nie Redaktions-Luft geschnuppert und das Praktikum ist oftmals der erste Berührungspunkt mit der Berufswelt überhaupt.
Als Praktikant bekommt man von einem Unternehmen die Möglichkeit, erste berufliche Schritte zu tun, ohne Verantwortung tragen zu müssen. Die Betreuung und Nachsicht, die einem dabei zu Teil wird, ist oft viel größer als sie ein Berufsanfänger in seiner Probezeit erfährt. Deshalb muss ein Praktikum auch immer als große Chance gesehen werden.
Klar träumt man bei seinem ersten Einsatz in der Praxis von tollen Kollegen, einem eigenen Schreibtisch, der schnellen Karriere und dem dicken Geldsegen. Für ein Unternehmen bedeutet jeder Praktikant aber auch, dass sich die Mitarbeiter für die Einarbeitung Zeit nehmen müssen, die Arbeit kontrolliert werden muss und der Praktikant im schlimmsten Fall mehr falsch als richtig macht. Der Schnupperkurs in die Berufswelt ist aus unternehmerischer Sicht in Zeiten knapper Kassen ein zusätzlicher Kostenfaktor. Viele kleinere PR-Agenturen und Medienbüros, die den Praktikanten nicht bezahlen können, bieten dafür aber intensive Einblicke in verschiedene Arbeitsabläufe und gehen auf seine Vorkenntnisse, Wünsche und Fähigkeiten ein.
Auch der Name eines bekannten großen Medienunternehmens im Lebenslauf kann für den weiteren Berufsweg Gold wert sein. Die Zahl der Mitbewerber ist hier oft groß und wenn die Bewerbung Erfolg hatte, sollte die Chance auf jeden Fall genutzt werden, egal ob bezahlt wird, oder nicht.
Ein weiteres Beispiel für unbezahlte aber dennoch wertvolle Erfahrungen sind Auslandspraktika. Oft werden zwar keine Gehälter bezahlt, doch sind die Erfahrungen mit der fremden Kultur einmalig im Leben und wichtig für die eigene Persönlichkeit. Wer sich frühzeitig engagiert, kann mit Stipendien und Fördergeldern den Auslandsaufenthalt finanzieren.
Schenkt man einigen Kritikern Glauben, dann schuften sich die Studenten der Nation für lau einen Buckel, nur um nachher beim Kampf um den Arbeitsplatz besser Punkten zu können. Das dargestellte Szenario mag für manch ein Unternehmen traurigerweise zutreffen, doch kann nicht jedes unbezahlte Praktikum mit Ausbeuterei gleichgesetzt werden.