
Konrad Scherfer ist Professor für Medienwissenschaft und erzählt im Interview, wie es zum Studiengang gekommen ist, durch welche Inhalte dieser geprägt ist und was er von den Studenten erwartet.

Warum wurde der Studiengang Online-Redakeur ins Leben gerufen, neben all den anderen Medienstudiengängen, die es gibt?
Mit der Etablierung von Massenmedien haben sich Studiengänge entwickelt, die sich in diesem Feld angesiedelt haben: Publizistik, Zeitungswissenschaft, Journalistik – und dann verstärkt auch ab den achtziger Jahren die Medien- und Kommunikationswissenschaft. Diese Studiengänge haben eine allgemeine Ausrichtung, die sich auf die Theorie von Medien beziehen, auf die Mediengeschichte, Medienwirkungen und Medienästhetik.
Unsere Absicht war es, einen praxisnahen Studiengang zu konzipieren, der eine spannende Verbindung darstellt zwischen Internet, Websitekonzeption und Online-Journalismus. Also ganz klar auf die neuen Medien abzielt und vor allem die Hypermedialität des Webs in den Mittelpunkt rückt. Hier sollte ein Bachelorstudiengang angeboten werden, der eine gewisse Berufspraxis vermittelt. Und das nicht im generellen Bereich für alle Medien, sondern ganz bewusst eine Engführung zum Bereich der Online-Medien. Bachelorstudiengänge bieten genau diese Möglichkeit der Spezialisierung und es hätte wenig Sinn gemacht, einen allgemeinen medien- oder kommunikationswissenschaftliche Bachelor-Studiengang einzuführen, denn davon gibt es schon eine ganze Reihe. Und so hat unser Studiengang ein Alleinstellungsmerkmal.
Sie haben es eben schon kurz angeschnitten: Was würden Sie sagen, sind die hauptsächlichen Inhalte des Studiengangs?
Grundsätzliches Ziel des Studiengangs ist die Vermittlung studiengangsbezogener Methoden zur Analyse, Bewertung und Umsetzung von Websites. Insofern ist das der Hintergrund des Studiengangs, also was man an Kompetenzen erlernen soll. Was aber wichtig ist, ist eine gewisse theoretische Fundierung zu erlangen – analytisches Denken, strukturiertes Denken. Wenn Sie strukturiertes Denken lernen, sind Sie auch in der Lage Webseiten zu strukturieren. Insofern braucht man auch in so einem Studiengang theoretische Grundlagen, die wir sowohl in der Medien- und Kommunikationswissenschaft als auch über wissenschaftliches Arbeiten bieten. Ein anderer Inhalt ist die Vermittlung der Arbeitstechniken. Das heißt: In Hypertextformen zu denken, webspezifische Kommunikationsformen kennen zu lernen und auch praktisch umzusetzen. Inhalte sind Webdesign, Website-Konzeption, Umgang mit Content Management Systemen. Also eher diese sehr praktischen Tools. Und der dritte Bereich ist die redaktionelle Professionalität, die man erlernen soll. Der Online-Redakteur schreibt, er redigiert, er recherchiert und soll eben auch die klassischen journalistischen Darstellungsformen und Stilformen kennen lernen.

Wie wichtig ist denn der Praxisbezug für das Studium?
Der Praxisbezug ist sehr wichtig, weil wir in einem sechssemestrigen Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule explizit diese Praxisnähe herausstellen. Insofern kann dieser Studiengang nicht ohne Lehrbeauftragte funktionieren oder ohne praxisnahe Lehrveranstaltungen, weil das auch der Tätigkeit eines Online-Redakteurs entspricht. Er arbeitet ja nicht als Forscher oder Wissenschaftler im engeren Sinne, sondern soll bei der Website-Konzeption und Website-Umsetzung die entsprechenden Tools oder das entsprechende Handwerk kennen. Und er muss auch zum Teil gewisse Dinge können – die Funktionsweise eines Content Management Systems gehört genauso dazu wie das Farbklima einer Website einschätzen zu können. Auf der anderen Seite ist es aber gerade in diesem dynamischen Bereich sehr wichtig, dass Sie als Online-Redakteur auch eine analytische Kompetenz haben, eine Reflexionskompetenz oder auch eine Beratungskompetenz.
Und die erlernen Sie nicht ausschließlich, indem Sie handwerkliche Tools drauf haben, sondern die erlernen Sie in Veranstaltungen, die durchaus im klassischen Sinne einer wissenschaftlichen Ausbildung entsprechen. Deshalb beschäftigen wir uns auch mit Fragen der Zielgruppen, der Mediennutzung, auch des Medienrechts. Was da Praxis ist und was nicht, kann man so nicht trennen. Letztlich greifen Sie bei der Umsetzung einer Website und der Nutzung von Bildrechten auf theoretisches Wissen zurück. Zum Beispiel bei Urheberrechtsfragen, beim Recht am eigenen Bild oder bei der Frage, ob Sie ein Bild aus der Bildsuche von Google nutzen dürfen oder nicht. Gelernt haben Sie es natürlich in einer Lehrveranstaltung, die hier eher der Theorie zuzuordnen wäre, sprich Medienrecht. Also möchte ich das nicht darauf reduzieren, dass hier alles nur Praxis ist. Reflexion und Analyse zählen zu gleichen Teilen dazu.
Wie zufrieden sind Sie bisher mit den Studenten?
Ich bin sehr zufrieden mit den Studenten. Die drei ersten Jahrgänge, die die FH Köln als Absolventen verlassen haben, da sind Top-Studenten drunter, die man ausnahmslos alle als Online-Redakteure empfehlen kann. Und ich sehe bei allen Studenten wirklich sehr gute Leute. Was wir allen Studenten aber auch klar machen mussten: Wer hier erfolgreich studieren möchte, muss einplanen, dass er eine 40-Stunden-Woche hat und er nicht nebenbei im großen Umfang arbeiten kann. Das führt natürlich zu Reibereien, weil auch klar ist, nicht jeder kann sich ohne Jobs im Studium bewegen. Und wir legen natürlich auch Wert darauf, dass die Leute nebenbei im Medienbereich arbeiten. Das wäre der Punkt wo es manchmal Probleme gibt, es hakt dann mit der studentischen Studienorganisation an der ein oder anderen Stelle.
Und bekommen Sie Rückmeldung von den Studenten, positiv oder negativ?
Gerade wenn man in Prüfungszusammenhängen steht, bekommt man nicht dauernd die Rückmeldung, wie toll alles ist. Aber wir haben eigentlich ein gutes Verhältnis zu unseren Studenten, ich habe keine Klagen gehört. Aber es ist klar, man kriegt nicht dauernd Feedback, die Leute haben auch mit ihrem Studienbetrieb zu tun, die Leute sind voll gefordert und wir fordern die Leute auch. Entscheidend ist für mich, dass mitgezogen wird und ich habe da auch keine Zweifel. Und es gibt sicher auch Studenten, die sich über das normale Maß hinaus engagieren und wir freuen uns natürlich darüber.
Aber anders können auch Projekte, wie wir sie machen, nicht laufen. Und gerade auch in dieser Projektarbeit, mit den Studenten, die über das Maß hinaus gehen, in dem Teamwork, da hat man auch ein Feedback, dass mich ganz optimistisch denken lässt. Dazu kommen auch noch Erfahrungen, die man in Kleingruppen hat, wie den Ressorts, da hat man ein persönliches Verhältnis zu den Studenten, so dass man mitbekommt, wenn etwas hakt. Aber letztlich steht da auch meine Tür immer offen, wenn Studenten kommen und uns Dinge mitteilen möchten, die nicht funktionieren.
Zum Schluss noch ein Ausblick: Was kann ein studierter Online-Redakteur?
Unsere Absolventen kann man beruhigt einstellen, wenn man eine Website hat, wo man jemanden benötigt, der die Website konzeptionell betreut, der die Inhalte pflegt, der die Inhalte schreibt, der einen Relaunch, eine Neuausrichtung plant. Dafür sind unsere Absolventinnen und Absolventen ausgebildet, die kennen den Markt und die Entwicklung im Bereich der Online-Medien. Die Einsatzgebiete können in Medienunternehmen selbst sein, die in ihrem Online-Bereich explizit Online-Redakteure einsetzen wollen, dafür sind unsere Absolventen geeignet.
Aber ein besonderer Schwerpunkt ist bei uns auch der, dass wir nicht nur speziell Online-Journalisten ausbilden, sondern unsere Absolventen eben auch an Unternehmen herantreten, die ihren Content pflegen und Web-Projekte planen. Da kommen wir bewusst aus dem Bereich Medien heraus. Das wären Einsatzgebiete, dazu benötigen die Absolventen eben diese Kernkompetenz von Content, Design und Technik. Und wir grenzen uns da auch ab von rein journalistischen oder rein medientechnischen Studiengängen.