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„The Arcade Fire“ ist keine dieser Bands, die beim ersten Hören gefällt. Die
verzerrte Stimme des Sängers Win Butler ist gewöhnungsbedürftig, die Stücke
mit Streichern, Piano und Drums instrumental überladen. Es dauert ein
bisschen, bis der Lärm Kontur annimmt. Dann klingt die Musik der kanadischen Band nicht mehr wirr, sondern voller Leidenschaft, erzählen von seelischem
Schmerz und großen Gefühlen. Ob die Musik auf dem Debüt-Album „Funeral“
aber tatsächlich deshalb so emotional geraten ist, weil ein paar Verwandte
der Band kurz vor der Veröffentlichung gestorben sind, wie einige Kritiker
schreiben, sei dahingestellt. Wahrscheinlich offenbaren The Arcade Fire ganz
einfach nur ihr eigenes Gefühlsleben und haben damit den Nerv der Zeit
getroffen.
Früher waren Indierock-Bands vor allem dann cool, wenn sie sich ironisch vom
eigenen Gegenstand distanzierten und größtmögliche Teilnahmslosigkeit
demonstrierten. Die Strokes sind so ein Band, mit bis ins letzte Detail
manierierten Gesten und betont gelangweilter Attitüde auf der Bühne. Gegen„Funeral“ von Arcade Fire wirkt deren neues Album allerdings wie ein lieblos
recycelter Querschnitt aus fünf vergangen Jahren Indierock – die Kritiker
jubeln pflichtgemäß, doch die Hörer wenden sich enttäuscht ab.
The Arcade Fire hingegen haben nicht weniger vollbracht, als den Indierock
zu revolutionieren, in dem sie die Distanz zwischen sich und dem eigenen Werk
völlig aufgehoben haben. Die Band hat Spaß an der eigenen Musik und zeigt
das auch. Wer je bei einem Live-Aufritt dabei war und gesehen hat, mit
welcher Hingabe Win Butler seine Verzweiflung herausschreit und Sängerin Régine
Chassagne mit bebender Stimme einfällt, weiß wie sich das Publikum innerhalb
kürzester Zeit von der Musik anstecken lässt und geradezu in einen Zustand
der Selbstvergessenheit gerät.
Selbst bei einem TV-Auftritt in der US-amerikanischen Comedy-Show „Conan
O’Brien“ legten sich die Kanadier derart ins Zeug, dass das Publikum
minutelang frenetisch applaudierte und der sonst so wortgewandte Moderator
angesichts des überwältigenden Auftritts der Band aus Montreal fast
verstummte. Da möchte man es The Arcade Fire fast verzeihen, dass sie jetzt
im Vorprogramm der irischen Proll-Rocker U2 spielen. Schließlich ist auch
den Fans von Bono und Co. ein musikalischer Relaunch zu gönnen.
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