Das Buch

von Michael Teichert

Schon bevor Bücher in Massen hergestellt und verbreitet werden konnten, haben Menschen Informationen in Stein oder Holz geritzt oder auf Papyrus und Papier handschriftlich festgehalten – eine mühsame und langwierige Arbeit (und auch manchmal ungenau, wie die deutsche Tonbezeichnung „h“ zeigt, denn eigentlich müsste es „b“ heißen, aber ein Mönch im Mittelalter hat undeutlich abgeschrieben). Vor ca. 5000 Jahren wurden erstmals Schriftrollen gefertigt, die Vorläufer des Buchs. Ab dem 1. Jahrhundert kam bei den Römern und Griechen dann der sogenannte Codex auf, mehrere Lagen Pergament, die wie beim heutigen Buch in der Mitte gefaltet und zusammengeheftet wurden.

Zwar wurde schon vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg (1450) gedruckt, aber erst seine Erfindung setzte sich im großen Stil durch. Jetzt konnten erstmals einheitliche Bücher in großer Zahl hergestellt und verbreitet werden. Denn im Gegensatz zu geschriebenen Büchern, die vorher üblich waren, war der Aufwand einer Massenherstellung um einiges geringer und wirtschaftlich lohnender. Ein weiterer Effekt war, dass auch von der Obrigkeit nicht gewollte Informationen so rasch vervielfältigt und unters Volk gebracht werden konnten. Zudem eröffnete sich erstmals einer großen Zahl von Menschen die Möglichkeit, Informationen nicht nur aus ihrer unmittelbaren Umgebung zu beziehen. Auch das Wissen afrikanischer Medizinmänner oder arabischer Astronomen wurde für Menschen in aller Welt verfügbar, sobald jemand dieses Wissen festgehalten und in Buchform verbreitet hatte.

Die Verbreitung von gedruckten Büchern hat viele Entwicklungen in den letzten 500 Jahren Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst. Ohne Bücher hätte sich z. B. weder die protestantische Kirche wie geschehen entwickelt, noch hätte Galileo Galilei vermutlich die Grundlagen für seine Forschung gehabt. Ganz zu schweigen von unzähligen anderen wissenschaftlichen Errungenschaften, die nur möglich waren, weil jemand das Wissen verschiedener Autoren dank Büchern direkt miteinander vergleichen oder kombinieren konnte. Auch die Gesetze komplexer menschlicher Systeme lassen sich kaum anders festhalten und an verschiedenen Orten verwenden als in Buchform (man denke nur an das deutsche Steuerrecht). Ebenso verhält es sich mit religiösen, philosophischen, ethischen, politischen und wissenschaftlichen Gesetzen, Ansichten und Theorien.

Erst durch die massenweise Verbreitung von Informationen bekam eine große Zahl Menschen die Möglichkeit sich mit Schriften vertraut zu machen, und damit überhaupt erst einmal lesen und schreiben zu lernen. Das wiederum führte dazu, dass noch mehr Wissen schriftlich festgehalten und verbreitet wurde, um dann wieder weiterentwickelt zu werden. Nicht weniger der Erfindungen die wir heute nutzen, haben ihre Marktreife erst erlangt, nachdem sich der zehnte oder zwanzigste Erfinder, aufbauend auf die schriftlich festgehaltenen Erkenntnisse seiner Vorgänger, an ihr versucht hat.

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