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Vor drei Jahren gelang dem französischen Regisseur Cédric Klapisch mit
„Barcelona für ein Jahr“ ein Überraschungserfolg an den Kinokassen. Die Geschichte ist schnell
erzählt: Der französischer Erasmus-Student Xavier (Romain Duris) geht für ein Jahr nach
Barcelona und landet dort in einer multinationalen Wohngemeinschaft. Die Stärke des Film
resultierte aus der Beobachtungsgabe des Regisseurs, der jeden Bewohner als typischen
Vertreter seines Heimatlandes präsentierte, ohne die jeweilige Figur bloßzustellen oder in
typische Klischees zu verfallen. Bei der Fortsetzung, die wohl aus Gründen besserer Vermarktung als solche verkauft wird, tatsächlich aber keine ist, hat Klapisch es vermieden an das
WG-Leben in Barcelona anzuknüpfen. Vielmehr hat er eine völlig neue Geschichte erzählt.
Dieses Mal geht es fast ausschließlich um das Leben von Xavier in Paris. Als
Autor schmieriger Soap-Operas hat er seinen großen Traum Schriftsteller zu werden
zwar knapp verfehlt, immerhin aber kann er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Für die
hölzernen Dialoge à la „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ muss er sich allerdings von seiner
Ex-Freundin Martine (Audrey Tatou) verspotten lassen. Dabei ist die viel schlechter dran: Kind
am Bein, Mann weg, arbeitslos. Und der 30. Geburtstag steht kurz bevor. Aus der
andauernden Depression und Langeweile rettet Xavier schließlich Wendy – die frigide Engländerin aus
der WG in Barcelona, die sich dank Haarverlängerung und raffiniertem Make-Up zur
Schönheit gemausert hat und die er in Paris wiedertrifft. Wie es der Zufall so will
arbeitet auch sie als Autorin und irgendwann sollen Xaviers Soap-Operas auch in England gesendet
werden – mit Unterstützung von Wendy, die als Übersetzerin dient und Xavier
gleichzeitig eine zweite Heimat in ihrer Londoner Wohnung bietet. Da kommt es, wie es kommen muss:
Xavier verliebt sich in Wendy, Wendy verliebt sich in Xavier.
Spätestens an diesem Punkt wird „Wiedersehen in St- Petersburg“ zum
mitreißenden Märchen. Klapisch will gar keine realistische Geschichte mehr erzählen, wie
er es in „Barcelona für ein Jahr“ getan hat, sondern hat offensichtlich Spaß daran,
mit seinen Figuren zu spielen. Wendys Bruder William schickt er nach St. Petersburg. Der
verliebt sich dort unsterblich in eine Russin. Zur Hochzeit lädt der in Barcelona noch
trinksüchtige und chauvinistische William alle ehemaligen Bewohner ein. Dass die überhaupt
kommen, ist allerdings genauso märchenhaft, wie die plötzlich Wandlung Williams vom
Trunkenbold zum Softie. In Barcelona nervte William den deutschen Bewohner Tobias (Barnabay
Metschurat) mit schlechten Hitlerparodien, in Russland ist er plötzlich zum sensiblen
Klaviervirtuosen mit blondem Zopf mutiert.
In den letzten 20 Minuten des Films, in denen der Regisseur ganz knapp am
Kitsch vorbeischrammt, gelingt Klapisch noch einmal eine starke Szene, mit der er
an Barcelona und die Eigenheiten der WG-Bewohner anknüpft. Tobias, der sich in Spanien
als Ordnungsfanatiker und Kühlschrankfaschist entpuppte, hält eine kurze Rede
auf den Bräutigam. „Erst konnte ich William nicht leiden, doch Menschen verändern
sich, Europa verändert sich, wir alle verändern uns. Diese an Peinlichkeit kaum zu
überbietende Szene zeigt, dass der Regisseur offenbar seine Erfahrungen mit dozierenden
deutschen Studenten gemacht hat.
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