 |
Barfuß - ein Film, der bei den Kritikern nicht wirklich gut
ankam. Immer wieder wurde Til Schweigers Talent als Produzent,
Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler in Frage gestellt.
Sein Film sei wenig überraschend, sondern reihe schon mal
da Gewesenes willkürlich aneinander. Teilweise seien zwar
gelungene einzelne Bilder entstanden, die aber kein Gesamtkonzept
erkennen ließen… - Und dennoch ist Barfuß mein Lieblingsstück.
Barfuß erzählt die Geschichte des vermeintlichen Losers Nick
(Til Schweiger), der bei einem Aushilfsjob als Putzmann in
einer psychiatrischen Klinik die geistig verwirrte Leila (Johanna
Wokalek) vor dem Selbstmord bewahrt. Leila beschließt, Nick,
der noch am selben Tag seinen Job verliert, zu folgen. Nicks
Versuche sie abzuwimmeln, schlagen fehl. Leila lässt nicht
locker und schafft es, im zunächst machohaften und gefühlskalten
Nick Verantwortungsbewusstsein zu wecken. Gemeinsam begeben
sich die beiden auf eine Reise, die ihr Leben grundlegend
verändert: Nick wird erwachsener und behandelt seine "Freundin
für diese Reise", wie er Leila nennt, mit viel Rücksicht,
Feingefühl und Geduld. Leila wiederum kann endlich Vertrauen
fassen und ihre Vergangenheit verarbeiten.
Das Drehbuch, auf dem Barfuß zu großen Teilen basiert, kaufte
Schweiger bereits vor sieben Jahren. Seitdem wurde die Idee
immer wieder bearbeitet und weiterentwickelt. Dieser für einen
Film ungewöhnlich lange Reifungsprozess macht sich durch die
Liebe zum Detail bemerkbar. Interessant sind beispielsweise
die Farbgebung und das Lichtkonzept. Es wurde gänzlich auf
kräftige Farben und Grüntöne verzichtet. In Kombination mit
schwacher Beleuchtung entstand so eine farbliche Grundstimmung,
die erstaunlich gut auf die Handlung abgestimmt ist.
Auffällig ist auch die prominente Besetzung bis in die kleinste
Nebenrolle. Diese erstaunlich hohe Anzahl an etablierten Schauspielern
sorgt zum einen für ein hohes schauspielerisches Niveau. Zum
anderen verschiebt sich durch die bekannten Gesichter der
Fokus weg von der eigentlichen Handlung hin zur Interaktion
der Figuren. An manchen Stellen des Filmes ist es gar nicht
so entscheidend was passiert, sondern die Art und Weise, wie
sich die beteiligten Personen in der Situation verhalten macht
den Reiz der Szene aus.
|