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Dichtes Gedränge
an der Theke, keine Sitzplätze mehr. Heute ist ein besonderer
Tag im Monheimer Hof. „Blues-Session“. Diese Session
ist ein Konzert, das ohne Nebel-Effekte, Lichtshow, grellen
Scheinwerfern und technischen Schnickschnack auskommt. So
viele Leute sind gewöhnlich nicht hier. Heute kommen
sie aus Neugierde, oder auch aus Liebe zur Musik oder vielleicht
auch nur, weil es keinen Eintritt kostet.
Bei diesem Event hat jeder Bluesmusiker, der
gerne mal öffentlich auftreten möchte, die Möglichkeit
dazu. Bekannte Lieder wie Bob Dylans „Knockin On Heavens
Door“, oder B.B. Kings „Key To The Highway“
sind ebenso zu hören, wie auch eigene Kompositionen.
Neben verrauchten Gesangseinlagen, die an Janis Joplin erinnern,
oder einer Schmusebluesstimme wie von Gary Moore, gibt es
auch tolle Mundharmonika-, Saxophon- und Gitarrensolos. Das
Publikum wird mit jedem Lied euphorischer. Es gibt zwar keine
kreischende Teenies, die reihenweise in Ohnmacht fallen, aber
die Stimmung ist ziemlich ausgelassen. Eine Gruppe nach der
Anderen schnappt sich ihre Instrumente und spielt.
Plötzlich wird der Ablauf durch eine Durchsage
unterbrochen: „Ist zufällig ein Schlagzeuger hier
im Raum? Unserer ist kurzfristig ausgefallen.“
Jeder sieht den Anderen fragend an, bis sich am hintersten
Tisch eine Frau erhebt. Sie zwängt sich durch die dicht
stehenden Menschen nach vorne zur Bühne.
Wobei der Begriff Bühne eigentlich falsch ist, es ist
nur Plateau, auf dem normalerweise auch Tische stehen. Sie
setzt sich an das rote Schlagzeug, als gehöre sie schon
immer zu dieser Gruppe und nimmt die Drumsticks in die Hand.
Sie schlägt sie zusammen und schon geht es los. Jazz.
Blues. Die Besucher sind begeistert. Bewegen den Kopf im Rhythmus
der Musik und singen die bekannten Lieder mit. Selbst die,
die eher gelangweilt an der Theke stehen, kann man dabei beobachten,
wie sie mit dem Fuß wippen.
Der kleine Ober, in seinem weißen Hemd
und der langen blauen Schürze, die bis zum Boden reicht,
versucht verzweifelt sich mit einem Kranz Kölsch an den
Leuten vorbei zu zwängen. Es gelingt ihm kaum, denn viele
recken den Hals, um die junge, blonde Frau zu sehen, die gerade
das Saxophonsolo spielt.
Tosender Applaus. Begeisterung. Erst nach fünf Zugaben
scheint das Publikum zufrieden und lässt die Band von
der Bühne. Kurze Stille. Dann die Musik vom Band. Eine
wirklich großartige Session ist vorbei. Der Abend noch
lange nicht. Nun entbrennen erst einmal die heißen Diskussionen
über die aufgetretenen Musiker. Der Steh- oder Sitznachbar
wird zum Gesprächspartner und der Abend klingt mit amüsanten,
netten Unterhaltungen oder auch kleineren Auseinandersetzungen,
rund um das Thema Musik, aus.
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