Lazy – eine Diskussion über ein Wort und seine vielfältigen Bedeutungen

von Mai-Phi Trat Quan

 
 
 
 
 
 

M: Wir schweifen ab.
A: Du hast meinen „lazy“-Gedanken kaputt gemacht. Das kommt davon, wenn man sich zu viel über Worte unterhält, statt sie einfach zu verwenden und den anderen raten zu lassen, was man gemeint haben könnte.

M: Aber wenn du ein Wort wie „lazy“ gebrauchst, mit deiner ganz speziellen Bedeutung, wie kannst du wissen, dass es beim Anderen ankommt?
A: Das setze ich nicht voraus. Es ist nichts verkehrt daran, wenn Kommunikation schwierig ist. Sonst würde es sich gar nicht lohnen irgendetwas zu sagen. Wenn jeder gleich verstehen würde, was man sagt oder schreibt, das wäre unangenehm.

M: „I need subtext“.
A: Ja. Aber das Interessenpotential von solch einem Wort ist bald erschöpft.

M: Was ist mit der Ästhetik? „Lazy“ spricht sich so schön, so weich.
A: „Lazy“ hat nicht viele ästhetische Aspekte. Dafür ist es zu kurz. Es reimt sich auch nur auf „crazy“ und dazu gibt es schon einen dummen Roman. „Lazy“ hat schlichtweg unerwartete positive Konnotation – sprachhistorisch wahrscheinlich vollkommen unbegründet– für mich hängt da dran: lasziv und lässig.

M: Ich stelle mir unter „lasziv“ etwas vor, was langsam vonstatten geht. Was Träges.
A: Ja. „Lasziv“ ist der sexy Anteil an „lazy“.

M: Wie schön, wir rollen Sprachgeschichte noch einmal neu auf.
A: Wir bauen eine eigene Sprache. Eigentlich findet man doch aktive Menschen attraktiv und träge Menschen extrem unsexy. Und es gibt aber doch eine Art von Trägheit, die eben sexy ist. In der einfachsten Form, die den meisten Leuten unterkommt: der langsame Augenaufschlag. Das ist „lazy“, das ist ein „lazy“ Augenaufschlag.

M: Ich finde, „lazy“ hat auch etwas von schläfrig.
A: Es gibt ja auch eine sehr sexy Komponente an Schläfrigkeit. Nicht an dieser gähnenden Form, aber wenn sich etwa ein Körper streckt. Wenn sich ein Körper „lazy“ streckt, wenn man sich zum Beispiel im Bett räkelt. Das ist „lazy“ und das ist lasziv und das ist sexy.

M: Da fällt einem sofort wieder die Katze ein. Ich habe dir ein Lied aufgenommen, von Angie Reed, deren Album bezeichnenderweise heißt: Music For The Lazy And Not For The Bureaucrazy.
A: Die hat ein lazy Stimme.

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