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Eigentlich höre ich gar nicht so gerne
Radio. Ja, schon. Früher. SWF3, bevor Elmar "Elmi" Hörig seinen
unsäglichen Ausflug ins Fernsehen unternahm und sich von einer
blonden Assistentin in Grund und Boden reden ließ. Aber sonst?
Doch da ist dieser Drang, schon früh alles aus der Welt wissen
zu wollen. Noch im Dunkeln taste ich mich zum Küchenradio
vor, ich brauche kein Licht um die 91,3 zu finden. Erst mit
"Informationen am Morgen" beginnt der Tag – jetzt kann ich
auch das Licht anmachen. Und während meine intellektuellen
Fähigkeiten um diese Uhrzeit gerade mal ausreichen, den Joghurt
nicht in die Teekanne zu füllen, schaffen es Moderatoren wie
Elke Durak mühelos von Thema zu Thema zu springen. Geschickt
wird Lothar Bisky zu seiner gescheiterten Wahl als Bundestagsvizepräsident
befragt, kurz danach ein Mediziner zum deutschen Gesundheitssystem
und eine britische Abgeordnete zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen
in Frankreichs Vorstädten. Dazwischen Börsenberichte, Sportinformationen
und Nachrichten, vor denen nicht etwa Werbung gesendet wird,
sondern Auszüge aus den Kommentaren der Tageszeitungen – so
portioniert, dass wirklich jeder versteht, was uns der Autor
sagen will. Dazu kommen Berichte und Reportagen aus allen
Winkeln der Erde. Spätestens wenn Siegfried Busschlüters sonore
Stimme aus Washington erklingt und er sprachliche Volten durch
die amerikanische Politik zieht, ist eines sicher: Dieser
Tag ist ein guter Radiotag.
Auch später wird der Hörer mit Informationen aus aller Welt versorgt. "Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft" heißt die Sendung, die ohne den Zusatz "und Gesellschaft" sicher gähnend langweilig wäre. Ob Rio oder Mumbai – soziale Projekte sind häufig Thema. Und "aus Religion" bedeutet für diese Redaktion nicht ausschließlich aus den Weltreligionen. Wer sonst informiert schon über das Jubiläum der Baha'i in Deutschland?
Überhaupt scheint dieser Sender mit den unspannendsten Sendungsnamen der Radiogeschichte die wirklich interessierten Hörer herausfiltern zu wollen. Hinter "Umwelt & Verbraucher" zum Beispiel verbergen sich etwas abseitige, aber hochinteressante Berichte, wie über den "Öli"-Sammelbehälter, mit dem altes Bratfett in Privathaushalten zur Aufbereitung abgeholt wird.
Nach Rentnerfunk klingt der Titel "Klassik – Pop – et cetera". Einer der Radiohöhepunkte der Woche. Das Konzept: Prominente stellen ihre Lieblingsmusik vor. Unvergesslich der Karnevalssamstag, an dem der naive Bauer des Kölner Dreigestirns in völliger Unkenntnis des Senders zu seinem Musikwunsch erklärend hinzufügte: "Sie spielen ja sonst den janzen Tach Karnevalsmusik, da wünsch isch mir mal wat janz anderes" – und "De Bläck Fööss" erklingen ließ. Das Schlucken des anwesenden Presseoffiziers war noch zu hören, bevor die Musik begann. Sonst aber wird diese Sendung kompetent geleitet, häufig von Dirigenten oder Musikern, die eigene und fremde Stücke vorstellen und von ihrem persönlichen Bezug dazu erzählen.
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