
|
Prolog
Meine Lieblingsschuhe verdienen besondere Aufmerksamkeit aus zwei Gründen. Zuallererst sind es perfekte Schuhe. Schnitt, Form, Material, Optik: perfekt. Tragekomfort: für 9cm-Absätze sehr bequem. Attitüde: klassisch mit Twist.
Wichtiger: Es gibt eine kleine Geschichte.
Kein anderes Paar meiner Schuhe ist unmittelbar mit einem Ereignis verbunden. Man kann künstlich Zusammenhänge zwischen Gegenständen und Erlebnissen herstellen, um erstere zu emotionalisieren. Nichts einfacher, als besondere Situationen und getragenes Schuhwerk aufzuzählen:
Als ich mein Abiturzeugnis entgegennahm, trug ich meine schmalen hochhackigen Stiefeletten aus weichem schwarzen Leder.
Als ich die große Liebe traf, trug ich Fußballschuhe – schwarze Adidas Samba mit von Schmutz grau gefärbten Streifen.
Als ich das erste Mal an den Haaren herumgerissen wurde, waren es die geliebten Peeptoes aus preussisch-blauem Leder mit schlichter Schleifen-Applikation.
Dabei ließe ich jedoch außer Acht, dass etwa an den Stiefeletten mehr Schmutz klebt, als bloß der Staub der Aula meines alten Gymnasiums.
Einladung
– Hast du Lust, mich zur Weihnachtsfeier von XYZ zu begleiten?
– Oh bitte, das war nicht der Deal. Solche Dinge sind nicht in unserem Arrangement enthalten, ich bin nicht deine Freundin. Außerdem, was soll ich zwischen Beratern und ihren aufgehübschten Frauen.
– Ihnen den Atem verschlagen. Ich möchte mit dir angeben.
– Oho, setzt du da nicht etwas zu hohe Erwartungen in mich?
– Nein.
– Was ist das für eine Feier?
– Galadinner. Fünf-Sterne-Grand-Hotel. Dreihundert Consultants samt Gattinnen. Cocktailempfang, Reden, feines Essen. Anschließend wird getanzt. Abendgarderobe. Überleg’s dir, ich werde nicht allein hingehen.
– Gut. Du wirst wohl dafür sorgen müssen, dass ich die passenden Schuhe habe.
– Sicher. |