Date with the night – eine Farce in drei Akten

von Mai-Phi Trat Quan

 
 
 
 
 
 

 

Auswahl
Die üblichen Adressen bringen nichts. Ich fange an, in Geschäfte zu gehen, deren feine Verkäufer mich mit hochnäsigen Blicken bedenken. Raffael, Apropos Cöln, schna schna. Die Blicke auf Preisschilder werden knapp gehalten. Die Geschäfte sind zu warm, als dass man noch mehr Schwindel ertragen könnte.
Die aktuellen Kollektionen gefallen mir nicht. Marc Jacobs: die Kappen sind zu rund. Prada: zuviel Chichi. Dries van Noten: zu klumpig, was denkt der sich.
Ich werde langsam ungehalten und überlege ernsthaft, nach Düsseldorf zu fahren. Vorher gebe ich Herkenrath soundso noch eine Chance. Ich war schon einmal hier, ich weiß, dass man in diesem Geschäft Schuhe von Pollini bekommen könnte.
Ich gehe die fast blanken Wände entlang und nehme einen goldenen Schuh in die Hand. Die Verkäuferin eilt herbei.
– 38.
38 ist zu groß. Sie hat 37,5 in der Hand, noch bevor ich etwas sagen kann. Passt. Ich bin überrascht, ich dachte nicht, dass ich jemals einen offenen Schuh ohne Riemchen finden würde, in denen meine schmalen Füße Halt hätten.
– Ob Sie eine Umkleide hätten, in der ich den Rock dazu anziehen könnte?
Ich sehe meine Beine im Spiegel, den leicht glockigen Pencil-Skirt aus schwarzem Chiffon und die schlanken goldenen College-Pumps. Die Schuhe sind perfekt.
– Sie haben sich eines der teuersten Modelle ausgesucht. Georgina Goodman hat lange für Manolo Blahnik designt.
– Ich bezahle die sowieso nicht.

Ich rufe B an:
– Ich habe die Schuhe gefunden. Es ist wohl besser, du sagst ab.
– Du weißt doch gar nicht, was es mir wert wäre, dich meinen Kollegen vorzuführen.

Vertragsabschluss später per SMS: Die Schuhe binden Dich, mich auf die Feier zu begleiten und nur dazu. Dir steht es frei anschließend zu fahren und einen Schein von Unabhängigkeit zu wahren. Es wäre bloß schade um das Zimmer.

 

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