Online-Redakteure bei NGOs und Stiftungen:

"Im Web für die gute Sache"

"Es war mir immer ein Bedürfnis, den wahrhaftigen Sinn und Hintergrund der eigenen Arbeit sehen zu können. Es motiviert mich enorm, zu sehen, welche Wirkung das Fairtrade-System – und damit auch meine Arbeit – auf Produzenten und ihre Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika hat."

ohanna Chylewski, TransFair e.V. [Foto: Carsten Mohr]Seit April 2014 arbeitet die OR-Absolventin Johanna Chylewski in der Online-Kommunikation von TransFair e.V., dem auch als Fairtrade Deutschland bekannten gemeinnützigen Verein. Ziel von TransFair e.V. ist die Förderung benachteiligter Produzentenfamilien in Entwicklungsländern – durch die Unterstützung des fairen Handels möchte der Verein ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern.

"Mit der Anstellung bei TransFair e.V. hat sich mein Wunsch erfüllt, den Aufgaben einer Online-Redakteurin nachzugehen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun," erzählt Johanna. Sie ist neben der Instandhaltung, Optimierung, Aktualisierung und Ergänzung diverser Kampagnensites wie fairtrade-schools.de und fairtrade-towns.de auch für die Pflege des Intranets zuständig. Johanna betreut außerdem Website und Abläufe rund um den Fairtrade-Code: Anhand der von Lizenznehmern freiwillig auf Produktverpackungen gedruckten Zahlenkombination lässt sich unter fairtrade-code.de einsehen, welche Produzentenorganisationen vom Verkauf der Rohstoffe unter Fairtrade-Bedingungen profitieren. "Ich organisiere unter anderem den Entstehungsprozess der Produzentenprofile, redigiere die Texte und nehme schlussendlich das Gesamtergebnis ab", erklärt Johanna. "Außerdem bin ich bei Fragen zum Fairtrade-Code sowohl für Kollegen als auch für Verbraucher die Ansprechpartnerin."

Nach Abschluss des Studiums im Jahr 2010 war Johanna mehrere Jahre lang als Freiberuflerin tätig. So arbeitete sie etwa bei (Print-)Magazinen, in einer Online-Agentur, als Social-Media-Autorin für ein Reiseunternehmen und als Online-Redakteurin beim Radio. Die Notwendigkeit, nach dem Bachelor- noch ein Masterstudium anzugehen, sah sie nicht: "In meiner Zeit als Freiberuflerin habe ich in unterschiedlichen inhaltlichen und fachlichen Ausprägungen viele wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen, was ich für mich persönlich als die beste Art des Lernens ansehe." Nach mehreren Jahren Berufserfahrung kann Johanna heute sagen, dass die Entscheidung, Online-Redakteurin zu werden, die richtige war: "Ich habe eine gute Wahl getroffen. Mein Beruf kann sowohl sehr vielseitig als auch schwerpunktlastig sein – je nach Wahl des Arbeitsplatzes. Mich erfreut die Abwechslung, die der Beruf des Online-Redakteurs mit sich bringt. Von Zeit zu Zeit kann ich mich jedoch auch auf bestimmte Bereiche fokussieren und diese ausarbeiten."

Projekte, Projekte, Projekte

Svenja Schumacher, OR-Absolventin des 2006er Jahrgangs, geht es ähnlich: "In meinem Beruf muss man sich nicht entscheiden und kann alles miteinander verbinden. Ich würde meinen Beruf jedem empfehlen, der zugleich Journalist, Webdesigner, Projektmanager, Fotograf, Produktentwickler und Social-Media-Manager sein möchte." Als Online-Redakteurin werde sie in viele verschiedene Bereiche einbezogen, die über das klassische Onlinegeschäft hinausgehen – etwa Pressearbeit, Marketing und Projektmanagement.

Svenja Schumacher, IJAB e.V.Derzeit arbeitet Svenja als Online-Redakteurin und Projektkoordinatorin bei IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., einem Zusammenschluss von international tätigen Trägern der freien und öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe. Die Ziele von IJAB e.V. sind mehr Toleranz und gegenseitiges Verständnis unter jungen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen – durch die Förderung von Austausch will IJAB e.V. Fremdenfeindlichkeit und Gewalt entgegenwirken. Wie Johanna von TransFair e.V., ist auch Svenja begeistert von der Bedeutung ihrer Arbeit: "Wir erfüllen fachliche Aufgaben der internationalen jugendpolitischen Zusammenarbeit und Jugendinformation. Das gibt mir das Gefühl, etwas sehr Sinnstiftendes zu machen."

Obwohl Svenja nach dem Bachelor- noch ein Masterstudium in Medienwissenschaft/Media Studies an der Universität Bonn absolviert und ein Volontariat zur Referentin für Unternehmenskommunikation angehängt hat, erwarb sie zahlreiche für ihre Arbeit notwendige Kenntnisse bereits im OR-Studium – darunter den Umgang mit Content-Management-Systemen, die Konzeption von Websites und diverse journalistische Fähigkeiten. Letztere nutzt sie vor allem im redaktionellen Teil ihrer Arbeit. Mit Quellensichtung, Recherche und dem Schreiben von Artikeln birgt dieser zwar eine gewisse Routine, die Projektkoordination ist dafür aber umso abwechslungsreicher: "Das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber tatsächlich sieht da jeder Tag anders aus. Wir arbeiten viel konzeptionell und kreativ. Es gibt immer wieder neue, unterschiedliche Teilprojekte – sei es der Relaunch einer Website, die Entwicklung von Printprodukten, das Vorbereiten von Veranstaltungen oder die Durchführung von Schulungen und Vorträgen."

Dass man nicht explizit als Projektkoordinatorin angestellt sein muss, um derartige Erfahrungen zu machen, zeigt Johannas Arbeit bei TransFair e.V.: "Speziell an meiner Arbeitsstelle mag ich die Herausforderung und Ausarbeitung von Projekten, wie zuletzt die Entwicklung, Umsetzung und Organisation der Microsite zum Coffee Fairday“, schwärmt die Online-Redakteurin. "Nach Klärung der inhaltlichen Ziele mit unserem Kampagnenteam, durfte ich selbstständig ein Konzept und damit sowohl die technischen als auch die gestalterischen Anforderungen entwickeln. Das Briefing der Agentur, die das Special für uns programmierte, lag ebenso in meiner Hand wie die anschließende Umsetzung der Inhalte."

Themen- und Aufgabenvielfalt

Projektbezogenes und teamorientiertes Arbeiten gehört auch für Andreas Bullik zum Berufsalltag. Nachdem er 2009 sein OR-Studium abgeschlossen hatte, machte er einen Master in MultiMedia und Autorschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle. Heute arbeitet Andreas als Online-Redakteur in der Öffentlichkeitsarbeit der Hans-Böckler-Stiftung. Seine Schwerpunkte liegen in Web-Analyse und Content-Audit, also den Analysen von Nutzerverhalten und den Inhalten eines Webangebots.

Andreas Bullik, Hans-Böckler-Stiftung [Foto: Uli Baatz] So wertet Andreas anhand von Webstatistik-Diensten und anderen Tools die Online-Aktivitäten der Hans-Böckler-Stiftung aus und beschäftigt sich mit strukturellen Verbesserungen der Online-Kommunikation, aktuell etwa in Vorbereitung auf den Relaunch der Stiftungswebsite. Des Weiteren ist er für das Bespielen der Website und der sozialen Kanäle zuständig: dazu extrahiert er kurze Nachrichten aus Pressemitteilungen, Forschungsergebnissen oder längeren Artikeln, die in unterschiedlichen Publikationen der Stiftung erschienen sind.

Das Ziel der Hans-Böckler-Stiftung ist es, das Prinzip der Mitbestimmung zu fördern. Sie berät auf wissenschaftlicher Basis vor allem Betriebs- und Personalräte und Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten. Darüber hinaus führt die Stiftung Forschungsprojekte zur Erhebung, Analyse und Aufbereitung von Daten zu Themen wie Wirtschaft, Mitbestimmung und Sozialstaat durch oder fördert diese. Auch in der Bildungsförderung ist die Hans-Böckler-Stiftung aktiv: Sie vergibt Stipendien für Studium und Promotion, unterstützt die berufliche Orientierung und fördert den zweiten Bildungsweg. Ziele und Themenbereiche der Stiftung tragen für Andreas maßgeblich zum Spaß an seiner Arbeit bei: "Viele der Themen finden sich, vor allem in ihrer Vielfalt und in dieser Form, nur in der Hans-Böckler-Stiftung. Soziale Gerechtigkeit, Mindestlohn oder auch die Sichtweise auf die Flüchtlingsthematik – das alles ist verknüpft mit einem wissenschaftlichen Anspruch. Mich mit diesen Themen zu beschäftigen, diese nach außen zu kommunizieren und damit gesellschaftspolitische Arbeit zu leisten, macht mir am meisten Spaß."

Wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht, zieht Andreas Unternehmen und Organisationen den Dienstleistern und Agenturen vor: "Die Qualität des Arbeitgebers im Hinblick auf den Umgang mit dem Arbeitnehmer ist in einem ‚großen Haus‘ sehr häufig höher. Das ist sicherlich Geschmackssache, vielleicht aber auch irgendwann eine Frage des eigenen Alters und der Erwartungshaltung an Kollegenkreis und Arbeitnehmerfreundlichkeit." Wie Johanna und Svenja ist auch Andreas sehr zufrieden mit seiner Berufwahl: "Grundsätzlich mag ich am Beruf des Online-Redakteurs, dass er sich stetig wandelt. Viele Aufgabengebiete entwickeln sich ständig weiter und die Zukunftsaussichten sind auf absehbare Zeit sehr gut."

Ein Beitrag von Denis Kuckmann

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