Online-Redakteure als Journalisten:

"Ein Berufsalltag im ständigen Wandel"

Judith Conrady gehört zu den ersten OR-Absolventen – sie hat ihr Studium bereits im Jahr 2006 abgeschlossen, also vor genau zehn Jahren. Seitdem arbeitet sie nun bei RP Online:

Judith Conray, stellvertretende Redaktionsleiterin bei RP Online

"Ich hätte eigentlich gerne noch weiter studiert, bin dann aber irgendwie in der Arbeitswelt hängen geblieben. Nach dem Studium gab es immer wieder neue Aufgaben in neuen Bereichen". Heute findet man sie als stellvertretende Redaktionsleiterin am Newsdesk – begonnen hat aber alles im Praxissemester, welches noch heute im OR-Studium integriert ist. Sie absolvierte ihres bei RP Online und nach Abschluss des Studiums auch ihr Volontariat. Nicht nur den praktischen Teil des Studiums, sondern auch zahlreiche weitere Seminare und Vorlesungen sieht sie noch heute "als eine gute Grundlage" für das spätere Arbeitsleben an. Zu ihren heutigen Aufgaben gehört die Steuerung der Startseite und die Themenplanung für den jeweiligen Tag. Besonders Spaß macht es ihr, dass "man ständig schnell reagieren muss: auf Nachrichtenlagen, aber auch auf neue Entwicklungen, Leserfeedback und neue Formate und Plattformen".

Genau das ist es, was den Online-Journalismus von klassischen Medien unterscheidet: Man muss ständig auf neue Trends reagieren und entscheiden können, ob sie zum eigenen Medium passen. Online-Journalisten gestalten und aktualisieren die Inhalte, verlinken Beiträge miteinander, binden sie in die sozialen Netzwerke ein und kommunizieren und interagieren mit den Lesern und erhalten somit ein direktes Feedback auf ihre Arbeit – eine ganz besondere Neuheit in der Geschichte des Journalismus.

"Wir wollen nicht nur als Gatekeeper fungieren, das klappt heutzutage auch gar nicht mehr."

Arne Henkes, Senior Expert bei t-online.de, empfindet eben diese Kommunikation mit den Lesern als einen Aspekt seines Berufes, der besonders interessant ist:

Zu Besuch bei Arne Henkes bei t-online.de in Darmstadt"Was uns allen hier im Haus sehr viel Spaß macht, ist mit dem Rückkanal der User zu arbeiten. Aus den Rückmeldungen ziehen wir sehr viel für unsere Berichterstattung heraus. Das kann natürlich anstrengend sein, aber häufig ist es eben auch sehr inspirierend. Und da ist der Online-Journalismus an einer Stelle, an der er sich neu erfinden kann: Die User sind es heute gewohnt, eine Stimme zu haben – gehört zu werden. Damit umzugehen, das ist schon sehr spannend." Seine Aufgabe als Senior Expert in der Entwicklungs-Redaktion von t-online.de ist es aber vor allem, ressortübergreifend Trends in Sachen Darstellungsformen zu analysieren und – im zweiten Schritt – für das eigene Portal zu entwickeln. Auch für Arne hat die Arbeit bei t-online.de im Rahmen seines Praxissemesters begonnen, direkt nach dem Studium ist er dann im Frühjahr 2006 von Köln zurück in seine Heimat nach Darmstadt gezogen. Zunächst hat er als Sport-Redakteur und später als Content-Manager für die Bundesliga bei t-online.de gearbeitet, wo er unter anderem für die Koordination der Zusammenarbeit mit LIGA total! zuständig war. Das OR-Studium hat ihm in all seinen Stationen sehr weitergeholfen, weil er im Zuge dessen zu einem "Allrounder" geworden ist: Neben seinem persönlichen journalistischen Schwerpunkt hat er auch noch technische Dinge gelernt, sich mit Design und Recht beschäftigt, neue multimediale Darstellungsformen kennengelernt – all das hilft ihm noch heute in seinem Berufsalltag: "Das ist in der heutigen Zeit, in der sich viele Dinge ständig weiterentwickeln, eine sehr gute Grundlage. Man kann sich als Redakteur oder Journalist bei einem Online-Portal auch nicht vor Dingen wie Technik, Design oder Multimedia verschließen – das gehört einfach dazu und macht den Beruf auch sehr spannend."

Die Erfahrungen von Arne Henkes zeigen, dass sich der Journalismus in einem Wandel befindet, der in diesem Ausmaß vielleicht noch nie stattgefunden hat. Das spiegelt sich auch in aktuellen Stellenanzeigen für Journalisten wieder: "Wir machen Sie fit für die digitale Zukunft der Medien: Sie lernen bei uns Homepage-Management, die Aufbereitung von Inhalten für verschiedene Medienkanäle, Produktion, Dreh und Schnitt von hochwertigen Videos, Multimedia-Reportagen, die auch mobil funktionieren und das Management von Inhalten auf den sozialen Netzwerken", heißt es zum Beispiel bei dem Zeitungsverlag Waiblingen. [Die Stellenanzeige findet ihr hier.] Allerdings sind diese Entwicklungen noch nicht bei allen Bewerbern angekommen, so der Eindruck von Inga Methling, Online-Journalistin und OR-Absolventin aus dem Jahr 2013.

"Wessen Herz für den Journalismus schlägt, ist mit dem OR-Studium super aufgestellt."

Trotz des medialen Wandels kann man nach wie vor beobachten, dass viele Journalisten weiterhin auf Print setzen und Online verweigern – Eine Tatsache, die Inga Methling als "erschreckend" empfindet. Sie weiß, dass das heute keine Option mehr ist:

Inga Methling, Redakteurin bei RP Online"Wer sich auf dem Stellenmarkt umsieht, erkennt schnell, dass in Redaktionen fast ausschließlich nur noch online- und technikaffine Redakteure gesucht werden".  Zu eben solch einer Redakteurin wurde Inga Methling nicht nur durch das OR-Studium, sondern auch durch das anschließende Volontariat bei RP Online, welches sie im September 2015 erfolgreich abgeschlossen hat. Sie arbeitet nun als Redakteurin am Newsdesk und ist für die lokalen Geschichten zuständig. "Zu meinen täglichen Aufgaben gehört es, die spannendsten Artikel aus den rund 20 Lokalausgaben der Rheinischen Post für RP Online aufzubereiten, schnell auf aktuelle Ereignisse in der Region zu reagieren, eigene regionale Themen crossmedial aufzubereiten und die Facebookseiten der Lokalen zu betreuen." Ab dem 1. Januar 2016 erwarten sie neue berufliche Herausforderungen – denn sie wechselt von RP Online zum Express – und wird dort Social Media Managerin. Ihr ist bewusst, dass der Journalismus ein hartes Geschäft ist, einerseits wegen der teils schlechten Bezahlung, aber auch weil es schwierig ist, den Einstieg erfolgreich zu meistern und eine Festanstellung zu bekommen. Diese Tatsachen konnten sie persönlich aber nicht davon abhalten, es zu wagen – und sie rät auch anderen, es zu probieren: "Wessen Herz für den Journalismus schlägt und wer neben seinem Studium Praxiserfahrung durch Praktika und Nebenjobs gesammelt hat, ist mit dem OR-Studium super aufgestellt".

"Durchs Leben mit Kamera, Stift und Smartphone"

Für den Journalismus schlägt auch Merle Sievers’ Herz. Der Weg zu ihrem Volontariat beim Kölner Stadt-Anzeiger hat schon früh mit einem Praktikum begonnen – und nachdem sie ihren Bachelor im Februar 2014 abgeschlossen hat, ist sie seit März 2014 Digital-Volontärin beim KStA. Dort verfasst sie täglich Artikel, betreut die Social-Media-Kanäle und setzt eigene journalistische Projekte um.

Merle Sievers ist mal wieder für den KStA unterwegs – hier an Karneval in Köln Sie liebt ihren Beruf – vor allem "das Kerngeschäft des Journalismus: Geschichten erzählen, Sachverhalte vereinfachen und den Menschen näher bringen". Durch das Web bieten sich aus ihrer Sicht ständig neue Möglichkeiten, um eben diese Geschichten zu erzählen. Das ist es auch, was die Redaktion des KStA momentan vor eine große Aufgabe stellt: "Ein Haus, dessen Kerngeschäft jahrelang die Produktion einer gedruckten Tageszeitung war, stellt sich mit großer Energie auf das digitale Zeitalter ein. Als junge Journalistin, die quasi zur ersten Generation der ‚Digital Natives‘ gehört, bei diesem Prozess dabei zu sein, ist manchmal anstrengend, aber eben auch sehr spannend." Merle ist auch der Meinung, dass man durch das OR-Studium sehr gut auf den journalistischen Alltag vorbereitet ist: "So sehr ich es im Studium auch gehasst habe: Die paar Fetzen Markup Languages, die in meinem Hirn hängen geblieben sind, brauche ich tatsächlich jeden Tag. Wer täglich mit einem CMS arbeitet, kommt um ein paar Zeilen Code nicht drum rum. Auch die journalistischen Fächer haben mir gute Grundkenntnisse vermittelt." Wenn ihr euch mal anschauen wollt, was Merle so macht, schaut doch mal vorbei auf ihrem Blog.

Ein Beitrag von Diana Schreiner

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