Panoramabild
 

Das Hotel Museum Rodin - Ein Meisterwerk der Rokoko-Architektur

Von Hassane M. Boukar

Das Musée Rodin steht als öffentliche Verwaltungseinrichtung unter der Aufsicht des französischen Kulturministeriums, doch genießt dieses Museum in Hinblick auf seine Einnahmen und Ausgaben eine Autonomie.
Das Musée Rodin war vormals das Hotel Biron, in dem Auguste Rodin 1908 ein Atelier einrichtete und seine letzten Jahre verbrachte.

Vom Hotel Biron zum Musée Rodin

Blick über den Park auf den Invalidendom

Das Musée Rodin. das Hotel Biron liegt in der Rue de Varenne 77, nicht weit vom Invalidendom entfernt. Obwohl mitten in Paris gebaut, wirkt es als Solitär: Ein Schloss in der Mitte eines Parks, der etwa drei Hektar groß ist.

Das Hotel Biron ist ein Meisterwerk der Rokoko-Architektur. Es wurde zwischen 1728 und 1730 vom Architekten Jean Aubert in Auftrag gegeben und von Abraham Peyrenc de Moras finanziert. De Moras starb 1732 kurz nach der Fertigstellung des Museums, er hinterließ ein Prachtstück des französischen Rokoko: Die schmückenden Stuckornamente im Innern, die Gestaltung der Fassaden und nicht zuletzt die Südterrasse zeugen davon. Nach dem Tod von Abraham Peyrenc de Moras wurde der Besitz an den Marschall Biron, einen französischen Militär- und Heerführer, verkauft. Er veränderte den Park vollständig und machte daraus eine der schönsten Parkanlagen von Paris. Man bestaunte den Garten, der wegen seiner Schönheit und Eleganz sowie der Vielfalt der Gartenbeete als ein Wunderwerk galt.

Das Hotel ging dann in den Besitz der Herzogin von Béthune-Charost über. In dieser Epoche begann der Niedergang dieses Anwesens, das für öffentliche Bälle gemietet wurde und 1820 in den Besitz von „Sacré-Coeur de Jésus“ überging, der „Gesellschaft vom Heiligen Herzen Jesu", die 1804 von der Mutter Sophie Barat (1779 -1865) gegründet worden war. So begannen Schönheit und Eleganz des Ortes zu verfallen: Sophie ließ alle überflüssigen Elemente, wie Holzbauteile, Spiegel, Kunstschmiedehandwerke und Malereien entfernen. Sie verbannte jeden Luxus aus den Räumen: So lebten die Pensionsgäste ohne Heizung und wuschen sich mit kaltem Wasser.

Derart "entkernt" wurde das Gebäude in den Folgejahren für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt. Jedoch seit Beginn des  20. Jahrhunderts ging es dann mit dem heutigen Baudenkmal langsam wieder aufwärts. Es fand zunächst seine Ursprungsfunktion wieder, beherbergte sogar die bischöfliche Gesandtschaft und die Botschaft von Russland. In der zweiten Jahrhunderthälfte, in den Jahren 1875-1876, wurde die Kapelle, die heute als Saal für die Sonderausstellungen dient, vom Architekten Lisch gebaut. Den Stadtpalast bewohnten ab 1904 zahlreiche Künstler, darunter in den Jahren 1908-1917 Auguste Rodin.

Auguste Rodin im Hotel Biron

Der mit staatlichen Aufträgen überhäufte Bildhauer Auguste Rodin entdeckte diesen Platz 1908. Auf den Ratschlag des Dichters Rainer Maria Rilke hin, der bei ihm eine Zeitlang als sein Privatsekretär gearbeitet hatte, richtete der Künstler Rodin eines seiner Ateliers in dem südlichen Teil des Salons ein. Auguste Rodin lebte bis zu seinem Tod im Hotel Biron. Obwohl Rodin auch noch in der „Villa des Brillants de Meudon“ wohnte und arbeitete, wurde er von der Schönheit des Hotels Biron und von dem wilden Reiz des Parks regelrecht verführt. Er häufte dort seine Werke an, bedeckte die Wände mit seinen Zeichnungen und besiedelte den Park mit seinen griechisch-römischen Antiquitäten.

Hotel Biron als Musée Rodin

1910 erwarb der Staat das Hotel. Rodin startete ein Projekt, über das er seine komplette Sammlungen dem Staat anbieten wollte, wenn nur ihm ein Museum im Hotel Biron gewidmet würde. Er ist bei diesem Projekt unter anderen von Claude Monet, Octave Mirbeau, Raymond Poincaré, Georges Clemenceau, Etienne Clémentel unterstützt worden. Da die enorme Bedeutung seiner Kunst in dieser Zeit noch nicht generell erkannt worden war, blieb dieses Projekt auch zunächst erfolglos. Die ersten Schenkungen wurden erst am 24. Dezember 1916 vom Parlament bestätigt. Auguste Rodin hatte sein gesamtes Werk der Republik Frankreich vermacht: seine Fotografien, seine Archive, seine Skulpturen und Zeichnungen.

Am 17. November 1917 verstorben, konnte Rodin die Verwirklichung seines letzten Traumes, die Eröffnung seines eigenen Museums, nicht miterleben, die zwei Jahre später stattfand. 1919 öffnete das Rodin Museum seine Pforten für die Öffentlichkeit.

Das Musée Rodin

Le Penseur

Heute, mit etwa 500 000 Besuchern pro Jahr, ist das Musée Rodin nach dem Louvre, Versailles und dem Musée d'Orsay, aber vor der Orangerie und dem Museum Picasso, eines der in Frankreich am meisten besuchten Museen. Man kann unzählige künstlerische Verbindungen und  Quellen von Inspiration erkennen  oder auch in dem Park spazieren gehen, in dem  unter anderem die rätselhaften „Drei Schatten“ und die berühmte Skulptur vom großen Maler „Die Bürger von Calais“ zu sehen sind.

Architektur des Musée Rodin

Die Schönheit der Fassaden des südlichen Giebels und der Masken, die in die Fenster hineinragen, überzeugt ebenso wie das raffinierte Innendekor, die Schönheit der Holzbauteile und der fünf Räume, die im Süden den Blick auf einen Park eröffnen. Zahlreiche Elemente des Ursprungsdekors konnten glücklicherweise vom Museum nach dem Zweiten Weltkrieg wieder angekauft werden. Ebenfalls die Holzbauteile der ovalen Salons, im Osten und Westen.
Das Mueseum bemüht sich weiterhin durch Beschaffung der ehemaligen Innendekoration um die Rekonstruktion der ursprünglichen Innenarchitektur, wie etwa durch den Ankauf der Wand- und Türstücke ("dessus-de porte") des Rokoko-Malers Francois Lemoyne, der besonders für seine Deckenmalerei im Festsaal des Schlosses Versailles berühmt wurde.

Der Garten ist in rechteckiger Form mit Rasenplatz und Brunnen angelegt. Man kann einen Spaziergang im Museumsgarten mit den vielen Blumen und Skulpturen machen und einen herrlichen Ausblick auf den Invalidendom genießen. Diese grüne und ruhige Oase beherbergt die berühmtesten und großartigsten Werke Rodins, wie den „Denker" und "Das Höllentor". Bewundern kann man diese auch von der Terrasse des Café-Restaurants. Der Garten verspricht Stille und Romantik, dort herrscht eine ruhige Atmosphäre weit weg vom Pariser Großstadtlärm.

Die Werke im Musée Rodin

Das Musée  Rodin besitzt etwa 6 600 Bildhauerei- Arbeiten bzw. Skulpturen: Terrakotta, Gipse, Bronzen, Marmor, Wachse, Glaspasten, Sandstein. Sie sind in Paris und größtenteils in Meudon aufbewahrt. Seit der Schaffung des Museums ist beschlossen worden, die Skulpturen aus Marmor und Bronzen hauptsächlich in Paris auszustellen, während die Gipse in Meudon bleiben sollten . Das Rodin Museum präsentiert nicht nur die Werke und Privatkollektion dieses großen Künstlers, sondern auch die Werke von Honoré de Balzac, Victor Hugo, Claude Monet, Vincent Van Gogh, Auguste Renoir und - nicht zu vergessen  - die Werke seiner Schülerin und Geliebten Camille Claudel.
Selbstverständlich sind auch die berühmtesten Werke darunter: „Le Baiser“ („Der Kuss“), „Le Cri“ („Der Schrei“), „Le Penseur“ („Der Denker“), „La porte de l'enfer“ („Das Höllentor“), die rätselhaften „Drei Schatten“ und die berühmte Skulptur vom großen Maler „Bürger von Calais“, oder auch die Skulptur von „Eva und Adam“.