„Blues-Session“ im Monheimer Hof

von Henriette Ganzmann

Dichtes Gedränge an der Theke, keine Sitzplätze mehr. Heute ist ein besonderer Tag im Monheimer Hof. „Blues-Session“. Diese Session ist ein Konzert, das ohne Nebel-Effekte, Lichtshow, grellen Scheinwerfern und technischen Schnickschnack auskommt. So viele Leute sind gewöhnlich nicht hier. Heute kommen sie aus Neugierde, oder auch aus Liebe zur Musik oder vielleicht auch nur, weil es keinen Eintritt kostet.

Bei diesem Event hat jeder Bluesmusiker, der gerne mal öffentlich auftreten möchte, die Möglichkeit dazu. Bekannte Lieder wie Bob Dylans „Knockin On Heavens Door“, oder B.B. Kings „Key To The Highway“ sind ebenso zu hören, wie auch eigene Kompositionen. Neben verrauchten Gesangseinlagen, die an Janis Joplin erinnern, oder einer Schmusebluesstimme wie von Gary Moore, gibt es auch tolle Mundharmonika-, Saxophon- und Gitarrensolos. Das Publikum wird mit jedem Lied euphorischer. Es gibt zwar keine kreischende Teenies, die reihenweise in Ohnmacht fallen, aber die Stimmung ist ziemlich ausgelassen. Eine Gruppe nach der Anderen schnappt sich ihre Instrumente und spielt.

Plötzlich wird der Ablauf durch eine Durchsage unterbrochen: „Ist zufällig ein Schlagzeuger hier im Raum? Unserer ist kurzfristig ausgefallen.“
Jeder sieht den Anderen fragend an, bis sich am hintersten Tisch eine Frau erhebt. Sie zwängt sich durch die dicht stehenden Menschen nach vorne zur Bühne.
Wobei der Begriff Bühne eigentlich falsch ist, es ist nur Plateau, auf dem normalerweise auch Tische stehen. Sie setzt sich an das rote Schlagzeug, als gehöre sie schon immer zu dieser Gruppe und nimmt die Drumsticks in die Hand.
Sie schlägt sie zusammen und schon geht es los. Jazz. Blues. Die Besucher sind begeistert. Bewegen den Kopf im Rhythmus der Musik und singen die bekannten Lieder mit. Selbst die, die eher gelangweilt an der Theke stehen, kann man dabei beobachten, wie sie mit dem Fuß wippen.

Der kleine Ober, in seinem weißen Hemd und der langen blauen Schürze, die bis zum Boden reicht, versucht verzweifelt sich mit einem Kranz Kölsch an den Leuten vorbei zu zwängen. Es gelingt ihm kaum, denn viele recken den Hals, um die junge, blonde Frau zu sehen, die gerade das Saxophonsolo spielt.
Tosender Applaus. Begeisterung. Erst nach fünf Zugaben scheint das Publikum zufrieden und lässt die Band von der Bühne. Kurze Stille. Dann die Musik vom Band. Eine wirklich großartige Session ist vorbei. Der Abend noch lange nicht. Nun entbrennen erst einmal die heißen Diskussionen über die aufgetretenen Musiker. Der Steh- oder Sitznachbar wird zum Gesprächspartner und der Abend klingt mit amüsanten, netten Unterhaltungen oder auch kleineren Auseinandersetzungen, rund um das Thema Musik, aus.