Lazy – eine Diskussion über ein Wort und seine vielfältigen Bedeutungen

von Mai-Phi Trat Quan

 
 
 
 
 
 

A ist Anfang dreißig, genießt feines Essen, Spott und gute Musik. Wichtiger: er unterhält mich gern. Als ich ihn bat, mir für ein Interview zum Thema Lieblingswörter zur Verfügung zu stehen, sagte er sofort zu.

M: Wir reden heute über dein Lieblingswort, oder?
A: Nun, wir reden über eines meiner Lieblinge unter den interessanten Wörtern: „lazy“.

M: Warum hast du ein englisches Wort gewählt?
A: Englische Wörter geben irgendwie viel mehr her, um mit ihnen zu spielen. Das scheint eher eine persönliche Wahrnehmung zu sein. Ich habe den Eindruck, dass es viel weniger englische Wörter gibt, die dafür aber mehr bedeuten. Jemand sollte mal eine Auszählung machen. Höchstwahrscheinlich liegt es daran, dass man ein paar englische Ausdrücke eben doch nicht gegenwärtig hat. Und „lazy“ ist in diesem Sinne interessant, weil es seinem deutschen Pendant „faul“ so viel voraus hat. An „faul“ kann ich überhaupt nichts Vernünftiges finden. Aber wenn man als Deutscher „lazy“ sagt, dann denkt man faul immer gleich mit.

M: Oder „träge“.
A: Ja... „träge“ hat schon wieder leicht positive Komponenten. „Faul“ ist immer gleich noch „faulig“ und „Fäule“ und „faulen“. Vor sich hin rotten.

M: Diese Verbindung hätte ich jetzt nicht gezogen.
A: Ich schon. „Lazy“ bringt das für mich eben mit. Und „lazy“ muss das dann erst einmal überwinden, dass das von der reinen Wortbildung auch drin steckt. Es gibt tausend Sachen die darin einfach nicht schön sind. Ich weiß nicht, ob du das so vor Augen hast, als Nicht-Kifferin, ich glaube, diese „lazy“-Attitude ist halt so eine zentrale Kernkompetenz dieser Kifferbanden. Wenn die sich unendlich viel drauf einbilden, dass sie so abgehangen sind, dass sie keinen Antrieb haben und nichts tun wollen. Damit will ich nichts zu tun haben. Damit soll auch meine Wortverwendung nichts zu tun haben.

M: Das heißt aber auch, dass du „lazy“ anders benutzt. Wenn man es vom Englischen ins Deutsche übersetzt heißt es nun mal „faul“ und „träge“ und du benutzt es mit einer sehr positiven Konnotation.
A: Ich grenze erst einmal die Konnotationen ab, die für andere Leute positiv sein mögen und es für mich nicht sind. Und diese Kifferfaulheit ist es halt nicht. Genauso kann man auch eine entspannte Faulheit meinen, so eine Wochenendsituation, wenn der Papa von der Arbeit kommt, endlich Wochenende hat und die Mutti hat den Haushalt schön gemacht und die Wäsche ist fertig und die Laken sind frisch bezogen und duften. Und zum Frühstück gibt es frische Brötchen, die werden einem aufgeschnitten. Das ist auch faul in einer positiven Konnotation. Wo halt irgendjemand sagt: Heute bin ich mal so richtig faul.
Aber dieses „lazy“ meine ich auch nicht. Das ist halt so ein körperliches „lazy“. Man kann ja einfach sagen, dass „lazy“ das ist, was am Ende übrig bleibt, wenn alles, was ich nicht meine ausgeschlossen ist.
Ich glaube es gibt ein „lazy“, das so funktioniert – und es funktioniert nicht immer – dass man in sich ruht und gleichzeitig sehr aufmerksam ist. Ich stelle mir das vor wie einen Tiger, der in seinem Käfig sitzt, den Kopf auf den Pranken hat und man hat das Gefühl, er sei total „lazy“. Aber er ist sehr wach, er schaut sich alles an, er kann jederzeit zuschlagen. Das ist meine Idealvorstellung von „lazy“, dass in dem „lazy“ eine große Sicherheit drinsteckt.

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