Wolfgang Hohlbein und seine Bücher

von Henriette Ganzmann

Seit Stunden versuche ich nun schon verzweifelt einzuschlafen. Doch immer, wenn ich meine Augen schließe, taucht dieses schreckliche Ungeheuer auf. Ich sehe es, wie es mit seinen gigantischen, schwarzen Flügeln aus gehämmertem Stahl, aus dem Nichts auftaucht. „Azrael“, der Todesengel. Warum muss ich gerade mit diesem Buch auf Wolfgang Hohlbein aufmerksam werden? Es ist wohl eine seiner schlimmsten Horrorgeschichten. Ein extrem blutiger und schockender Roman, der nicht gerade etwas für Menschen mit schwachen Nerven ist. Und trotzdem – ich komme nicht davon los. Jede freie Minute muss ich darin lesen. Das grenzt schon an Sucht.

Wolfgang Hohlbein hat eine sehr bildhafte, ausschmückende Schreibweise und ist sehr detailliert in seinen Darstellungen und Schilderungen. Dies lässt mir bei diesem Buch immer wieder Schauer über den Rücken laufen.

„Die schäbige Strasse und die Mauern rechts und links waren verschwunden, ebenso wie der Himmel, die Erde, das Universum. Vor ihm loderte eine gewaltige Feuersbrunst, die die Welt von einem Ende zum anderen verschlungen hatte, und inmitten dieser höllischen Glut, hochaufgerichtet und riesig und unvorstellbar drohend, stand der Todesengel. Bremer sah ihn nur als Schattenriss, denn das grelle Licht, dass hier millionenmal intensiver war als draußen auf der Straße, blendete seine Augen und fraß sich wie glühende Säure an seinen Sehnerven entlang bis tief in sein Gehirn, um sich für den Rest seines Lebens darin einzubrennen, (...)“

Hohlbein, Wolfgang 1994: Azrael. München: Heyne, S.370



 

 

 

 

 

 

 

Hohlbeins Bücher sind meist Fantasy-Geschichten kombiniert mit Szenen aus dem Alltag. Wie zum Beispiel bei „Intruder“: drei deutsche Biker wollen sich einen Jugendtraum erfüllen und mit der Harley-Davidson, über die Route 66, quer durch die USA fahren. Sie wollen das Marlboro-Feeling von Freiheit und Abenteuer erleben. Doch ein wütender Indianergeist, der Wendigo, sorgt dafür, dass es ein wahrer Horrortrip wird.
Am Anfang liest sich das Buch eher wie eine Vorlage für ein Road-Movie. Bis einer der drei Freunde, Mike, in einem trockenen Canyon, eine lebhafte Vision hat: plötzlich taucht mit lautem Grollen eine Wasserwand auf, die ihn mit sich reißt, und er droht zu ertrinken. Solche Ereignisse häufen sich in diesem Buch dann immer mehr, bis sie sich zum Ende hin fast überschlagen. Die ganze Geschichte spielt sich an sechs Tagen ab. Zu Begin ein Roman mit indianischen Mythen, wird „Intruder“ dann zum Psychothriller und wandelt sich zum Ende hin zu einem Actionkrimi.

Eine wahre Wohltat ist es, im Vergleich dazu, „Märchenmond“ zu lesen. Auch dies ist ein Roman, in dem Realität und Fantasy miteinander verschmelzen. Ein wirklich schönes Buch, voller Phantasie und Kinderträume. Es ist ein Jugendbuch. Einige Bücher, wie auch dieses, hat Wolfgang Hohlbein zusammen mit seiner Frau Heike geschrieben. Es kommt ohne Blut und Horror aus und ist trotzdem vom Anfang bis zum Schluss spannend. Es geht um die Reise eines kleinen Jungen namens Kim in das Land Märchenmond, um seine Schwester zu retten. Auf dem gefährlichen Weg müssen er und seine Freunde – ein Riese, ein Bär, ein Drachen und ein Prinz – zahlreiche Abenteuer bestehen. Die Geschichte ist sehr fantasievoll geschrieben und führt in eine völlig andere, teilweise bizarre Welt.

Neben Science-Fiction-, Horror- und Jugendbüchern schreibt Hohlbein hauptsächlich Fantasy-Romane, aber auch historische Romane und viele Filmromane bzw. Romane zu TV-Serien. Er hat unter anderem den Roman zu dem Film „Die Hand an der Wiege“ von Curtis Hanson geschrieben und auch das Buch zur Serie „Stargate“.

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